Montgomery

Brite scheitert am deutschen Zeitungsmarkt

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Kai-Hinrich Renner

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Nur rund drei Jahre nach seinem Einstieg bei der "Berliner Zeitung" zieht sich der umstrittene britische Medien-Investor David Montgomery komplett aus dem deutschen Zeitungsmarkt zurück. Montgomerys Medien-Holding Mecom verkauft all ihre hiesigen Zeitungen an den Kölner Verlag DuMont Schauberg.

Der umstrittene britische Medien-Investor David Montgomery zieht sich komplett aus dem deutschen Zeitungsmarkt zurück. Montgomerys Medien-Holding Mecom verkauft all ihre deutschen Zeitungen an den Kölner Verlag DuMont Schauberg, teilten die Unternehmen mit.

Die Mecom-Gruppe kontrollierte bislang die BV Deutsche Zeitungsholding, zu der die "Berliner Zeitung“, der "Berliner Kurier“, die "Hamburger Morgenpost“, die nur im Internet erscheinende „Netzeitung“ sowie eine Druckerei gehören. Die Objekte gehen nun an das Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg. Der Kaufpreis liegt bei 152 Mio. Euro.

Im Herbst 2005 war Montgomery zusammen mit der Wagniskapitalgesellschaft Veronis Suhler Stevenson (VSS) beim Berliner Verlag eingestiegen. Zunächst erwarb er nur 15 Prozent des Zeitungshauses, für die er 11,8 Mio. Euro bezahlte. Anfang 2006 folgte die Übernahme der "Hamburger Morgenpost“, die den Briten Schätzungen zufolge rund 3,6 Mio. Euro gekostet hat.

Insgesamt dürfte Montgomery etwa 202 Mio. Euro in seinen deutschen Verlag investiert haben. Damit realisiert er mit dem Verkauf an DuMont einen Verlust von 50 Mio. Euro. Allerdings bilanziert Montgomerys Mecom Group in britischen Pfund und profitiert so von Währungsschwankungen: Zum Zeitpunkt der Übernahme der Blätter entsprachen 202 Mio. Euro etwa 137,6 Mio. britischen Pfund. Wegen der gegenwärtigen Schwäche des Pfundes sind die 152 Mio. Euro, die Montgomery mit dem Verkauf seiner deutschen Zeitungen erlöst, heute aber 135 Mio. Pfund wert. Auf dieser Basis beläuft sich der durch den Verkauft realisierte Verlust auf überschaubare 2,6 Mio. britische Pfund.

Folglich zeigte sich Montgomery in einer Stellungnahme „zufrieden mit dem Ergebnis der Verkaufsgespräche“. Allerdings soll er ursprünglich einen Preis zwischen 160 und 170 Mio. Euro angestrebt haben. Seine Mecom Group benötigt das Geld zum Schuldenabbau. Sie steht mit über 600 Mio. Euro in der Kreide. Erst kürzlich wurden Umschuldungsverhandlungen für zwei Monate ausgesetzt. In Branchenkreisen wird bezweifelt, dass sich Montgomerys Gläubigerbanken mit dem Verkauf der deutschen Blätter zufrieden geben. Ein Verkauf seiner norwegischen und polnischen Zeitungen könnte folgen.

Was DuMont Schauberg mit der BV Deutsche Zeitungsholding vorhat, ist nicht ganz klar. In einer ersten Stellungnahme bezeichnete der Verlag Gerüchte, wonach die ebenfalls übernommene "Frankfurter Rundschau“ von Berlin oder die "Berliner Zeitung“ von Frankfurt aus geführt werden könnte, als "substanzlose Spekulation“. Eine Zusammenarbeit beider Blätter unterhalb dieser Ebene gilt allerdings als wahrscheinlich. Die defizitäre „FR“, deren Verluste 2007 bei 15,7 Mio. Euro lagen, muss Kosten sparen. Zudem stand ihr Chefredakteur Uwe Vorkötter vor seinem Wechsel an den Main an der Spitze der Redaktion der "Berliner Zeitung“. Dass er für eine Übergangsphase beide Blätter führen könnte, ist nicht auszuschließen.

Auch eine Zusammenarbeit des DuMont Schauberg-Titels „Kölner Express“ mit den Boulevardzeitungen „Berliner Kurier“ und "Hamburger Morgenpost“ ist denkbar. Eine Kooperation der drei Blätter bei Servicethemen gab es bereits vor zehn Jahren.

Der Übernahme muss noch das Bundeskartellamt zustimmen. Der Verkauf wird frühestens zum 1. April wirksam. Bis dahin hat bei der BV Deutsche Zeitungsholding noch Geschäftsführer Josef Depenbrock das Sagen, der auch Chefredakteur der "Berliner Zeitung“ ist.