Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch tief in der Verlustzone geschlossen. Das Börsenbarometer fiel um fast fünf Prozentpunkte. Marktbeobachter sehen zunehmend Rezessionsängste und wachsende Sorgen über eine Deflation in den USA. Auto- und Finanzwerte fielen weiter. Zusätzlich belastete die Aktie von BASF den Gesamtmarkt. Der Pharmakonzern musste sein bisheriges Gewinnziel kappen.
Der schmerzhafte Abstieg in den Rezessionsmarkt könnte noch etwas anhalten. Bei der letzten Aktienkrise fiel der Deutsche Aktienindex Dax bis auf 2200 Punkte. Und gegenwärtig fehlt den Anlegern jeglicher Anreiz zum Kaufen.
"Erst die Banken, dann die Autohersteller und Zulieferer und jetzt die Chemie. Von der globalen Rezession werden alle betroffen sein“, sagte ein Händler. Der Dax rutschte 4,9 Prozent auf 4354 Zähler ab; der Europa-Index Stoxx50 verlor 4,5 Prozent auf 2032 Punkte. Für Verwunderung sorgte der Solarkonzern Solarworld mit seiner Übernahme-Offerte für den Autohersteller Opel.
BASF-Aktien stürzten um 13,7 Prozent ab. Der gemessen am Umsatz weltgrößte Chemiekonzern senkte wegen des Konjunktureinbruchs erneut seine Gewinnprognose und will weltweit rund 80 Anlagen vorübergehend außer Betrieb nehmen. Die Analysten von Merck Finck rieten Anlegern zum Verkauf der Aktien. "Wir rechnen wegen der geringeren Anlagenauslastung und Überkapazitäten im Markt mit erheblichem Druck auf die Gewinnmargen.“ BASF zog die Titel der Konkurrenz mit nach unten, der europäische Branchenindex verlor 7,7 Prozent.
Am frühen Abend weiteten die europäischen Aktienmärkte ihre Verluste aus, als die Wall Street tiefer ins Minus rutschte. Die US-Börsen wurden vor allen von Sorgen um die Zukunft der Autohersteller General Motors, Ford und Chrysler belastet. Die GM-Aktie brach um 14 Prozent ein, Ford-Papiere fielen um fast 18 Prozent. Mit dramatischen Appellen hatten zuvor die Autokonzerne vor dem US-Senat um Staatshilfen gebeten. Bei Handelsschluss in Europa lag der Dow-Jones-Index 1,9 im Minus, der Technologie-Index Nasdaq-Composite gab 2,5 Prozent ab.
Solarworld machte mit einer Offerte für die deutsche GM-Tochter Opel auf sich aufmerksam. Der Vorstoß verblüffte Börsianer. "Ich halte das nicht für realistisch und es ist wahrscheinlich auch nicht politisch gewollt, da stünden einfach zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel“, sagte ein Händler. Etliche Marktteilnehmer hielten die Idee für abwegig. Aber der Markt nehme die Nachricht offenbar ernst, schließlich sei die Solarworld-Aktie in Reaktion auf die Nachricht stark unter Druck geraten. Der TecDax-Titel fiel um fast 20 Prozent. Eine GM-Europe-Sprecherin erklärte, Opel stehe nicht zum Verkauf.
Das Umfeld für Autokonzerne sei alles andere als gut, sagte ein Börsianer. Der Kurs von BMW fiel um 13 Prozent, Daimler verbilligten sich um acht Prozent. In Paris rutschen Renault zehn Prozent ab.Auf die Finanzwerte drückten unter anderem Äußerungen des Chefs der Bank of America, Kenneth Lewis. Wegen Verlusten der Branche im Kreditkartengeschäft warnte Lewis vor einer Ausweitung der Finanzkrise. Die Aktien der Bank verloren neun Prozent. "Die Stimmung ist und bleibt schlecht. Es gibt nach wie vor keine positiven Nachrichten“, sagte ein Börsianer. Die Aktien der Hypo Real Estate rutschte 21,6 Prozent auf 2,54 Euro ab. "Das gesamte Geschäftsmodell steht am Pranger“, kommentierte ein Börsianer. Händlern zufolge hatten die Analysten der Commerzbank die Aktien mit einem Kursziel von 50 Cent zum Verkauf empfohlen.
Deutsche-Bank-Papiere verloren 8,8 Prozent, BNP Paribas elf Prozent und ING zwölf Prozent. Gegen den Trend schlossen Postbank mit einem leichten Plus von 1,1 Prozent. Die Postbank-Papiere reagierten mit einem Kurssprung von zeitweilig 15 Prozent auf einen Magazinbericht über eine angeblich geplante rasche Komplettübernahme der Post-Tochter durch die Deutsche Bank. Die Deutsche Bank dementierte allerdings ein Interesse an einer schnellen Übernahme.
Reuters/fab



