Die Arbeitslosenquote in den USA ist im Oktober 2008 deutlich auf 6,5 Prozent gestiegen. Dies teilte das Arbeitsministerium in Washington D.C. mit. Im September hatte die Arbeitslosenquote noch bei 6,1 Prozent gelegen. Zuletzt hatte die Arbeitslosenquote im März 1994 höher gelegen als jetzt. Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft sei im Vergleich zum Vormonat um 240.000 gefallen.
„Die US-Wirtschaft ist in einer tiefen Rezession“, schrieb John Herrmann, Chef des Prognoseinstituts Hermann Forecasting LLC in Summit, New Jersey, in einem Report zu den Arbeitslosenzahlen. Vom gewählten Präsidenten Barack Obama erhoffe er sich deshalb ein 500-Milliarden-Dollar-Programm (391 Milliarden Euro) zum Ankurbeln der Konjunktur, zitierte die Agentur Bloomberg den Analysten.
In den ersten zehn Monaten des Jahres hätten rund 1,2 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren, berichtete das Arbeitsministerium. Rund 10,1 Millionen Amerikaner sind demnach im Oktober 2008 ohne Arbeit. Besonders drastisch ist den Angaben nach der Rückgang der Arbeitsplätze im Handwerk, beim Bau und im Dienstleistungsgewerbe.
Dagegen stieg die Zahl der beim Staat Beschäftigten sowie im Gesundheitswesen. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit sei stark gestiegen: die Quote stieg von 19,1 Prozent im September auf 20,6 Prozent im Oktober.
Wirtschaftsexperten rechnen dem Nachrichtensender CNN zufolge in den letzten beiden Monaten des Jahres mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA. Der Sender verwies auf das Automobilunternehmen Ford, das beabsichtige, in Kürze 2260 Arbeitsplätze einzusparen. Auch bei General Motors seien Entlassungen wahrscheinlich.
Das US-Arbeitsministerium korrigierte die Daten für die Vormonate kräftig nach oben. Im September fielen damit so viele Stellen weg wie seit sieben Jahren nicht mehr, 284.000 Arbeitsplätze wurden gestrichen. Mehr waren es zuletzt unmittelbar nach den Anschlägen in New York vom 11. September 2001.
Nach Einschätzung von Experten steigern die Arbeitslosenzahlen die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen. „Wir sind in eine Phase gekommen, die sich durch Bedingungen wie in einer ernsthaften Rezession auszeichnet“, sagte Richard DeKaser, Chefvolkswirt bei National City. „Leider werden wir in der Zukunft mehr davon bekommen.“ Damit steige der Druck auf die Politik, ein weiteres Konjunkturpaket aufzulegen.
Postbank-Analyst Heinrich Bayer sieht eine höhere Chance für erneut sinkende Zinsen. „Allerdings ist der Spielraum für die Geldpolitik, die Wirtschaft durch Zinssenkungen zu stimulieren, angesichts des aktuellen US-Leitzinsniveaus von einem Prozent inzwischen sehr eingeschränkt.“
AFP/dpa/Reuters/oht




