Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, sieht "unbestreitbare Vorteile“ einer Teilverstaatlichung von Banken nach Beispiel der USA und Großbritannien. Dort könnten aus der Annahme des Hilfsprogramms "keine diskriminierenden Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Lage der Banken gezogen werden“, sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“. Für die deutsche Lösung spreche hingegen die größere Flexibilität.

Müller zeigte sich optimistisch, dass nach der Verabschiedung des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes "das Vertrauen zurückkehren“ werde. Er gehe davon aus, "dass die deutschen Steuerzahler letztlich keinen Euro verlieren werden“. Der Bankenpräsident, gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, macht nach eigenen Angaben die amerikanische Regierung für die Verschärfung der Krise verantwortlich, weil sie die US-Investmentbank Lehman Brothers in den Konkurs gehen ließ.

Aber er sehe auch "gravierende Fehler“ bei deutschen Banken, sagte er weiter. Viele Kreditinstitute hätten sich zu lange auf die Ratingagenturen verlassen. Als Konsequenzen aus der Krise fordert Müller eine europäische Bankenaufsicht und eine Reform der Bonussysteme. Boni sollten nicht mehr für vermutete Erträge in der Zukunft gezahlt werden.

Die deutschen Banken erwägen einem "Focus“-Bericht zufolge, die angebotenen Hilfen des Rettungspaketes gemeinsam zu nutzen. Das Nachrichtenmagazin zitierte einen "hochrangigen Sparkassenfunktionär“ mit den Worten, das Problem der angebotenen Hilfen sei, dass keiner der erste sein wolle. Es sei daher möglich, dass alle Banken gemeinsam den Milliardenschirm nutzen würden.

"Das wird ab diesem Montag verhandelt“, sagte der Manager. Das gelte für Privat- und Landesbanken. Der Vorteil für die Branche sei, dass Außenstehende nicht mehr so leicht ablesen könnten, welche Institute tatsächlich Hilfe bräuchten und welche nicht.

Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag ein Rettungspaket unter anderem mit Kreditgarantien für deutsche Banken verabschiedet. Es hat einen Umfang von etwa einer halben Billion Euro. Möglich ist auch die Verstaatlichung von Banken. Im Gegenzug müssen die Kreditinstitute die Managergehälter begrenzen und dürfen keine Dividenden ausschütten.

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