Mit deutlichen Kurseinbrüchen ist die „Obama-Euphorie“ an den Börsen wieder der Rezessionsangst gewichen. Nach dem kurzzeitigen Höhenflug vor der Wahl des demokratischen US- Präsidentschaftskandidaten Barack Obama lagen am Donnerstag alle europäischen und asiatischen Leitindizes kräftig im Minus. Düstere Voraussagen zur Konjunktur von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verstärkten die Talfahrt. „Die Verschärfung und Ausweitung der Finanzmarktkreise wird höchstwahrscheinlich die Nachfrage weltweit und im Euro-Raum für eine lange Zeit dämpfen“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Wachstumsprognosen deutlich, sprach erstmals von einer "Weltrezession". Die Lage sei so schlimm wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Der Rat der Notenbank hatte zuvor entschieden, den Leitzins im Euro-Raum von 3,75 auf 3,25 Prozent zu verringern. Wegen der Rezessionsgefahr senkten auch die Bank of England (BoE) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Leitzinsen erneut kräftig.

Der Deutsche Aktienindex Dax verlor 6,84 Prozent und schloss bei 4813 Punkten. Der Dow Jones büßte an der Wall Street 4,85 Prozent auf 8695 Punkte ein. In Frankfurt gab der MDax 5,83 Prozent auf 5561 Zähler nach. Der TecDax büßte 8,63 Prozent auf 522 Punkte ein.

Unter Druck waren im Dax besonders die Papiere von Deutscher Bank mit fast 13 Prozent Verlust, ThyssenKrupp, Commerzbank und MAN mit über 12 Prozent. Einziger Gewinner war Fresenius Medical Care mit rund 2 Prozent.

Börsenhändler Fidel Peter Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser erklärte, die Märkte hätten auf eine kräftigere Zinssenkung der EZB gehofft. Er äußerte allerdings die Erwartung, dass mit sinkender Inflation weitere Zinsschritte bevorstehen, um der Wirtschaft durch dringend benötigte günstigere Kredite aufzuhelfen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio wurde ebenfalls von negativen Prognosen großer Konzerne beeinflusst. Der führende japanische Autokonzern Toyota senkte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlicher als erwartet. Wie der erfolgsverwöhnte Branchenprimus am Donnerstag bekanntgab, wird jetzt nur noch ein Gewinn von 550 Milliarden Yen (4,3 Mrd Euro) erwartet. Anfangs war Toyota von 1,25 Billionen Yen ausgegangen.

Die Aktie brach in Erwartung der erst nach Börsenschluss vorgelegten Zahlen um 10,4 Prozent ein und schlug damit auch auf den Nikkei-Index für 225 führende Werte durch. Dieser hatte zum Handelsschluss einen hohen Verlust von 6,53 Prozent beim Stand von 8899,14 Punkten. An der Börse in Hongkong gab der Hang-Seng-Index um 7,1 Prozent auf 13790,04 Punkte nach – am Vortag hatte er noch im Zuge des Obama-Wahlsiegs zeitweise um 5,7 Prozent zugelegt.

dpa/Reuters/lw