Der von den Discountern Aldi, Lidl und Penny eingeleitete Preisrutsch bei Milch und anderen Lebensmitteln hat jetzt auch die normalen Supermärkte erreicht. Die beiden größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka und Rewe kündigten in großformatigen Anzeigen Preissenkungen für Milch, Apfelsaft, Kaffee und weitere Produkte an.

Dabei orientierten sich die Supermarktketten an den Vorgaben von Aldi und Co. So kostet die Fettarme Milch der jeweiligen Eigenmarken künftig auch bei Edeka und Rewe 49 Cent je Liter. Edeka betonte in einer Anzeige unter dem Motto „Teurer können Sie sich sparen“, das Unternehmen gebe damit die Preissenkungen auf den Rohstoffmärkten an die Kunden weiter. Aldi, Lidl und Co hatten bereits zu Wochenanfang die Preise gesenkt und damit die Konkurrenten unter Druck gesetzt.

Zu Wochenbeginn hatten die Discounter mit den Preissenkungen begonnen. Milch bis zu 20 Prozent billiger, Mehl 25 Prozent billiger, Apfelsaft 19 Prozent billiger - mit diesen Preisabschlägen gingen Aldi und die Rewe-Tochter Penny. Der Rotstift wurde unter anderem auch bei Butter, Zucker und Kaffee angesetzt - Preise, die den Verbrauchern besonders ins Auge fallen. Lidl steht dabei nicht abseits. Der Aldi-Rivale gab ebenfalls per Anzeigen Preissenkungen in dieser Größenordnung bekannt.

"Aldi greift zu seinem alten Erfolgsrezept: Wenn die Einkaufspreise sinken, sinken auch die Verkaufspreise", sagt Discount-Experte Matthias Queck vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail. Um glaubwürdig zu bleiben, mussten Aldi & Co. nach seinen Angaben jetzt handeln. Das setze auch Supermärkte unter Druck. „Nach rund drei Jahren preislicher Zurückhaltung ist das erstmals wieder ein deutliches Signal von Aldi und Konsorten, dass auf breiter Front die Preise gesenkt werden“, erläutert Queck. Butter ist nach seinen Worten so billig wie noch nie, Kaffee und Zucker so günstig wie lange nicht mehr.

Bauern zeigen Discounter beim Kartellamt an

Wegen der jüngsten Preissenkungen bei Milch hat der Bauernverband die großen Lebensmittel-Discounter beim Bundeskartellamt angezeigt. Diese hätten zeitgleich sehr ähnliche Zeitungsanzeigen geschaltet und ihre Preise für Milch und Milchprodukte völlig einander angepasst, kritisierte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner im ZDF. Er sprach von Erpressung gegenüber den Bauern. An den niedrigen Preisen der Discounter – nur noch 49 Cent je Liter Milch – übte er erneut heftige Kritik. „Wir müssen den Lebensmitteleinzelhandel zur Raison rufen, der die Zersplitterung der Milchbauern und der Molkereien nahtlos mit seinem Turbokapitalismus ausnützt.“

Der Bundesrat will an diesem Freitag über Anträge zur Stabilisierung der Milchpreise entscheiden. Doch wird erwartet, dass die Länderkammer alle rein nationalen Stützungsmaßnahmen ablehnt. Auch Sonnleitner sprach sich gegen eine Begrenzung allein bei deutschen Erzeugern aus. Vielmehr müsse die Menge „in Europa insgesamt“ reduziert werden. „Ein Alleingang würde nur bedeuten, dass wir überflutet würden mit Milchprodukten von anderen Ländern.“

Die Grünen-Agrarpolitikerin Ulrike Höfken warf Sonnleitner dagegen ein falsches Spiel vor. Er beklage das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus, trete aber selbst für ungebremste Massenerzeugung ein. „Das kann keine andere Konsequenz haben als den Preisverfall.“ Der Bundesrat müsse die Mengen begrenzen. Für die neue Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) sei dies die erste Bewährungsprobe.

AP/dpa/dma