Der erneute Spekulanten-Ping-Pong um die VW-Aktie sowie das furiose Kursfeuerwerk an den asiatischen Börsen katapultierten den Deutschen Aktienindex am Dienstag um über elf Prozent ins Plus. Zum Handelsschluss wies das Börsenbarometer einen kräftigen Aufschlag von 11,3 Prozent auf 4823 Punkte aus. Die Nebenwerte-Indizes verbuchten ebenfalls Gewinne, wenngleich diese deutlich geringer ausfielen. Während der MDax der mittelgroßen Werte um 1,2 Prozent auf 4870 Zähler anzog, wies der TecDax ein Plus von einem Prozent auf 462 Punkte aus.

Nach anfänglichen Verlusten griffen die Anleger bei festverzinslichen Papieren wieder zu. Der Bund-Future gewann zuletzt um 24 Ticks auf 117,35 Punkte, während die zehnjährige Bundesanleihe mit 3,755 Prozent rentierte. Der Euro, der im frühen asiatischen Handel bis auf 1,2329 Dollar nachgegeben hatte, konnte im Verlauf wieder leicht an Boden gutmachen und notierte bei Kursen um 1,2496 Dollar.

Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg bis auf 1005 Euro notierte die VW-Aktie zum Handelsschluss um 81,7 Prozent höher bei 945,00 Euro und ließ damit die übrigen Gewinner im Dax meilenweit hinter sich. Während die meisten Finanztitel auf den Verkaufslisten landeten, bildete die Aktie der Hypo Real Estate mit einem Aufschlag von sieben Prozent auf 4,88 Euro eine Ausnahme. Anteilscheine der Commerzbank hielten dagegen mit einem Minus von 13,3 Prozent auf 6,55 Euro die rote Laterne, gefolgt von der Deutschen Bank, die sich ebenfalls um 13,3 Prozent auf 22,265 Euro ermäßigte. Wegen der anhaltenden Finanzkrise muss der Branchenprimus möglicherweise zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Quartalsverlust hinnehmen. Hauptgrund seien erwartete neue Milliardenabschreibungen im Kerngeschäft Investmentbanking, sagten Analysten. Die Deutsche Bank will am Donnerstag ihre Quartalsbilanz vorlegen. Nach der Gewinnwarnung vom Montag und der angekündigten Kapitalerhöhung setzten die Aktien der Postbank ihre Talfahrt fort und verloren weitere 1,8 Prozent auf 13,99 Euro.

Auf den Verkaufslisten standen zudem Papiere von Continental mit einem Abschlag von 14,8 Prozent auf 27,00 Euro. Der Autozulieferer kürzt wegen der Absatzkrise in der Autoindustrie seine Produktion. Arbeitszeitkonten würden reduziert, die Weihnachtsferien in einzelnen Werken verlängert und die Beschäftigung von Leiharbeitern zurückgefahren, sagte ein Conti-Sprecher. Die Details sollen bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag bekannt gegeben werden. Belastet wurde die Aktie zudem von der Gewinnwarnung des zweitgrößten japanischen Autobauers Honda.

Bei den Nebenwerten belastete die Bilanzvorlage die Titel von Symrise. Die Aktie verlor 9,6 Prozent auf 7,75 Euro. Der Duft- und Geschmackstoffe-Hersteller hat wegen höherer Kosten und der Folgen der Finanzkrise seine Ertragsprognose nach einem enttäuschenden dritten Quartal für das laufende Jahr gesenkt. Auf Neunmonats-Basis sind die Zahlen einem Händler zufolge unerwartet schwach ausgefallen. Sowohl der Umsatz als auch das operative und Nachsteuerergebnis hätten die Erwartungen verfehlt. „Alles in allem ist der Bericht wenig erfreulich, zumal auch die Ebita-Erwartungen für das Gesamtjahr zurückgeschraubt wurden“, so der Börsianer. Cheuvreux stufte die Aktie von „Outperform“ auf „Underperform“ ab und nahm das Kursziel von 15 auf 7 Euro zurück.

Unter den Technologiewerten konnten Repower Systems nur anfangs von der Zahlenvorlage deutlicher profitieren und fielen im Verlauf ein Prozent ins Minus auf 55,01 Euro. Die vollständige Übernahme des Windradbauers durch den Großaktionär Suzlon steht einem Pressebericht zufolge vor dem Scheitern. Aufgrund der weltweiten Finanzkrise habe Suzlon Probleme, den Kauf der restlichen Anteile zu finanzieren.

wej./Reuters