Die Fed hatte bereits Anfang Oktober gemeinsam mit anderen führenden Notenbanken die Zinsen außerplanmäßig um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Seitdem hat sich die Krise vor allem an den Aktien- und Devisenmärkten weiter zugespitzt.

Die Währungshüter um Ben Bernanke begründeten den Schritt mit der Aussicht auf eine merkliche Konjunkturabschwächung. So hätten sich Firmeninvestitionen, Industrieproduktion und der private Konsum deutlich abgeschwächt. Auch der Export werde wegen der sich abzeichnenden globalen Wirtschaftsabschwächung zurückgehen. Die Finanzkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten würden, so die Fed, die Konsumfreude der Amerikaner zusätzlich belasten.

Da trotz entsprechender Gegenmaßnahmen die Abwärtsrisiken für das Wachstum bestehen blieben, sei die Zinssenkung nötig, erklärte die Fed. Sie sei möglich, weil der Teuerungsdruck in den kommenden Quartalen nachlassen dürfte, hieß es in der schriftlichen Begründung der Notenbank.

An der New Yorker Börse allerdings machte sich die Zinssenkung zunächst nicht bemerkbar: Die Marktteilnehmer hatten auf eine stärkere Senkung spekuliert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag nach einer Berg- und Talfahrt im Nachmittagshandel nahezu unverändert bei 9061 Punkten. Vor der Zinssenkung tendierte er noch 0,7 Prozent im Plus, zeitweise auch über ein Prozent im Minus.

Nach vorläufigen Schlussangaben fiel der Index um 0,82 Prozent auf 8990,96 Punkte. Der S&P-500-Index verlor um 1,11 Prozent auf 930,08 Punkte. Der NASDAQ-Index gewann dagegen um 0,47 Prozent auf 1657,21 Punkte. Die Rentenmärkte zeigten sich weitgehend unverändert. Der Euro notierte nach der US-Zinssenkung deutlich stärker bei 1,2938 Dollar nach 1,2699 Dollar am Vortag.

Zusätzlich zur Leitzinssenkung will die Fed die Liquidität in den globalen Finanzmärkten durch neue Milliardenkredite für die Zentralbanken Brasiliens, Mexikos, Singapurs und Südkoreas verbessern. Sie werde jeder dieser Zentralbanken 30 Milliarden Dollar in einem „Swap-Arrangement“ geben, in dem die Fed Dollar für die Währungsreserven anderer Staaten zur Verfügung stellt, teilte die Notenbank mit.

Alan Ruskin von der Royal Bank of Scotland sagte, die Fed habe sich die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen. „Sie hat erneut klar gemacht, dass sie weiterhin agieren wird, um nachhaltiges Wachstum und stabile Preise zu fördern. Das lässt alle Möglichkeiten offen. Schmerzhaft ist nur, dass ihr dazu allmählich die Munition auszugehen droht.“ Bill Gross, Manager des Rentenfonds Pimco, eines der größten Fonds weltweit, sagte dagegen im Fernsehsender CNBC, er erwarte, dass der Leitzins in den USA nun für einige Zeit stabil bleibe.

Volkswirte rechnen nach dem Beschluss der Federal Reserve nun mit weiteren Zinssenkungen in aller Welt. Den Anfang machten China und Norwegen: Die dortigen Zentralbanken kappten ihre Zinsen bereits am Mittwoch.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach einhelliger Meinung der Experten in der kommenden Woche nachziehen. Sie gehen von einem Zinsschritt von 50 Basispunkten analog zu dem der Fed aus. Der Leitzins in der Euro-Zone würde in diesem Fall auf 3,25 Prozent fallen – das tiefste Niveau seit zwei Jahren.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat eine Zinssenkung bereits mit ungewöhnlich deutlichen Worten signalisiert. Griechenlands Notenbankchef George Provopoulos legte am Mittwoch nach und sagte in einem Interview, die EZB habe ihre Munition noch keineswegs verschossen. Auch erneute gemeinsame Zinssenkungen mehrerer Notenbanken wollte er nicht ausschließen.

Die Bank von England dürfte in der kommenden Woche ebenfalls die Zinsen senken. Notenbanker David Blanchflower sprach sich am Mittwoch nötigenfalls für große Zinsschritte nach unten aus, um der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Notenbank-Gouverneur Mervyn King hatte bereits klar gemacht, dass die Briten sich auf eine Rezession einstellen müssen.

In Japan steht eine Entscheidung der Zentralbank über die Leitzinsen bereits am Freitag an. Wie Reuters erfuhr, erwägen die Währungshüter in Tokio ebenfalls eine Zinssenkung. Ihr Spielraum ist äußerst gering: Der Schlüsselzins beläuft sich in Japan bereits jetzt auf lediglich 0,5 Prozent.

ddp/AP/reuters/KS