Auch wenn es riskant ist, mitten in der Krise den Gradmesser für Erfolg und Misserfolg zu ändern: Die verhängnisvolle Dynamik der letzten Wochen kann keinen Zweifel mehr daran lassen, dass Korrekturen nötig sind. Die Bilanzregeln müssen schon allein deswegen reformiert werden, damit die Rettungspakete der europäischen Regierungen nicht wirkungslos verpuffen. Bleibt hingegen alles beim Alten, würde die Abschreibungsspirale möglicherweise demnächst das staatliche Kapital ebenso schnell verzehren wie zuvor das private. Und das Problem betrifft nicht nur die Kreditwirtschaft: Auch Versicherungskonzerne drohen zunehmend in den Strudel gezogen zu werden.
Dabei geht es nicht darum, absehbare Ausfälle zu verschleiern, etwa bei Anleihen von Pleitefirmen. Aber warum muss man eine italienische Staatsanleihe aufgrund des Kursverfalls niedriger bewerten, wenn eine Bank sie bis zum Ende der Laufzeit halten will und weiterhin damit rechnen kann, dass es nicht zum Ausfall kommt?
Im Rückspiegel betrachtet hätte die Notbremse viel früher gezogen werden müssen: Denn dann hätten die Banken zwar einerseits ihre Probleme mit US-Hypotheken leichter verschleiern können – doch andererseits hätte es viele panikartige Entwicklungen und damit verbundene Übertreibungen in dieser Schärfe wohl nicht gegeben.


