So etwa, als er nach dem Ingenieursstudium dabei half, den geplanten Nachfolger des Weltraumteleskops „Hubble“ für die anstehende Aufgabe im All fitzumachen. Konkret ging es darum, das James-Webb-Teleskop auf die Turbulenzen im Orbit vorzubereiten und dafür zu sorgen, dass es nicht außer Kontrolle gerät. Mit Pionierarbeit gelang es ihm, erinnert sich sein früherer Vorgesetzter Scott Texter. Ihn wundert es nicht, dass Kashkaris Fähigkeiten als Ingenieur nun auch im Finanzsektor gefragt sind. „Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Ingenieure im Kongress hätten“, sagt Texter. Ähnliches können auch andere Weggefährten des heute erst 35-Jährigen berichten.

„Er weiß, was auf dem Spiel steht“

Doch für viele Amerikaner mag es so aussehen, dass der junge Mann mit der markanten Glatze, den dichten dunklen Augenbrauen und dem starren Blick aus dem Nichts aufgetaucht ist. Mit anderen Worten: Dass er nicht gerade der geeigneteste Kandidat ist, mit einer Summe umzugehen, die mit den bisherigen Ausgaben der USA für den Irakkrieg vergleichbar ist. Doch Finanzminister Henry Paulson, der bis 2006 selbst Chef von Goldman Sachs war, bestimmte Kashkari zum vorläufigen Leiter der neuen Behörde für Finanzstabilität im Finanzministerium.

Der Sohn von Immigranten aus Kaschmir selbst möchte den Fokus lieber von sich weglenken: „Lassen Sie uns nicht überbewerten, was ich tue“, sagte er in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP. Finanzminister Paulson sei derjenige, der die endgültigen Entscheidungen treffe.

Seine Schwester hat aber keine Bedenken, dass ihr Bruder die verantwortungsvolle Aufgabe meistern wird. „Er weiß, was auf dem Spiel steht“, sagt Meera Kelley, die als Ärztin arbeitet. Als Kind habe ihr Bruder Stunden damit verbracht, Schiffe, Autos und Trucks aus Lego-Steinen zusammenzubasteln. Außerdem interessierte er sich sehr für Sport. Aber nicht dafür, Geld zu vermehren. „Er hatte keinen Limo-Stand oder etwas anderes gehabt, als er noch klein war“, erinnert sich die 42-Jährige.

Souveräne Art findet Bewunderung

Viele seiner Studienkollegen, Professoren und Arbeitskollegen loben die souveräne Art, mit Problemen umzugehen und nach effektiven Lösungswegen zu suchen. Die Begeisterung für die Welt der Hochfinanz packte ihn aber erst vor einigen Jahren während eines Praktikums bei Goldman Sachs, wie seine Schwester erzählt. Im Jahr 2002 stieg er dann richtig bei der Investmentbank ein und arbeitete zunächst in San Francisco. Vier Jahre später folgte er dem mittlerweile zum US-Finanzminister aufgestiegenen früheren Goldman-Sachs-Chef Paulson als Berater nach Washington.

Bis zu seiner Ernennung zum Beauftragten für das Finanzrettungspaket war Kashkari im Finanzministerium zuletzt für internationale Angelegenheiten zuständig. Nun steht er wie schon in seiner Zeit als Raumfahrtingenieur vor der Aufgabe, das Unmögliche mögliche zu machen.

AP/lw