Die angespannte Lage an den Kreditmärkten und Rezessionsängste haben die US-Börsen am Mittwoch vor einer neuen Abstimmung über das Banken-Rettungspaket ins Minus gedrückt. Viele Anleger waren überzeugt, dass eine US-Rezession selbst im Falle einer Zustimmung nicht mehr zu verhindern ist. Dies belastete vor allem die Papiere von Industriekonzernen wie General Electric und Caterpillar. Bankenwerte dagegen legten erneut zu in der Hoffnung, dass das Hilfspaket die Pleitewelle in der Branche beendet.
Der Dow-Jones-Index sank um knapp 0,2 Prozent auf 10.831 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 1161 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq verließ den Handel gut ein Prozent schwächer bei 2069 Punkten. Auch am Deutschen Aktienmarkt blieb die Stimmung gedrückt. Der Dax schloss 0,4 Prozent schwächer bei 5806 Punkten.
Das im ersten Anlauf gescheiterte Hilfspaket für die Finanzbranche soll nun mit Hilfe von Änderungen doch noch gerettet werden. Für den späten Mittwochabend (US-Zeit) war die Abstimmung im Senat anberaumt. Eine zweite Abstimmung im Repräsentantenhaus wird wahrscheinlich erst am Freitag stattfinden. Diese Kammer hatte das Paket am Montag überraschend abgelehnt und damit Rekordverluste an der Wall Street ausgelöst.
Händler zeigten sich zurückhaltend. „Blindes Vertrauen funktioniert nach der Enttäuschung vom Montag nicht“, sagte Andre Bakhos, Präsident der Princeton Financial Group in Princeton, New Jersey. „Die Leute sind vorsichtig und vertrauen nicht darauf, dass der Rettungsplan die Lösung aller Probleme ist. Er wird es nicht sein.“ Am Dienstag hatte die Hoffnung auf eine schnelle Verabschiedung des 700 Milliarden Dollar schweren Hilfsprogramms den Börsen noch eine Erholung beschert.
Für gedrückte Stimmung sorgten auch neue Arbeitsmarktdaten. Zwar haben die Firmen in den USA im September weniger Stellen abgebaut als befürchtet. Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge war jedoch die Situation im August bereits deutlich schlechter als zuvor angenommen. „Es sieht jetzt zum ersten Mal wirklich nach einer Rezession aus“, sagte Marc Pado von Cantor Fitzgerald in San Francisco.
Die Aktien von General Electric büßten vier Prozent ihres Wertes ein, obwohl der Konzern vermeldete, dass Investorenlegende Warren Buffett für drei Milliarden Dollar GE-Aktien kaufen wird. Vor dieser Nachricht hatten die Papiere allerdings zwischenzeitlich fast zehn Prozent verloren. Caterpillar verloren ebenfalls rund vier Prozent. Auch Autowerte tendierten trotz der Aussicht auf milliardenschwere Hilfen tiefer. Zu den größten Verlierern gehörten nach der Vorlage schwacher Verkaufszahlen Ford mit minus zwölf Prozent. Am Dienstag hatte Präsident George W. Bush ein Hilfspaket mit zinsgünstigen Krediten im Volumen von 25 Milliarden Dollar für die angeschlagene Branche abgesegnet.
Die Hoffnung auf Hilfe durch das Rettungspaket für die Finanzbranche bescherte dagegen Bankwerten deutlichen Auftrieb. Die Aktien der Citigroup gewannen gut zwölf Prozent, JPMorgan Chase legten gut sechs Prozent zu. Für zusätzlichen Optimismus in der Branche sorgte die Nachricht, dass Frankreich auf einen europäischen Rettungsplan im Volumen von 300 Milliarden Euro dringt. Dies erfuhr Reuters von einem EU-Regierungsvertreter.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,37 Milliarden Aktien den Besitzer. 1564 Werte legten zu, 1592 gaben nach und 53 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,93 Milliarden Aktien 982 im Plus, 1780 im Minus und 112 unverändert.
An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 22/32 auf 102-04/32. Sie rentierten mit 3,738 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten um 58/32 auf 104-30/32 und hatten eine Rendite von 4,206 Prozent.
REUTERS/OC



