Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft ist so schlecht wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der vom Ifo-Institut berechnete Exportklima-Indikator sank im Juli erneut um 0,08 auf minus 1,24 Punkte, berichtete die „Wirtschaftswoche“, in deren Auftrag das Münchener Institut diese Berechnungen anstellt. Dies sei der schlechteste Wert seit Mai 1993.
Grund für den neuerlichen Rückgang sei die Konjunkturschwäche der EU-Länder, in die über zwei Drittel der deutschen Ausfuhren gehen. Kein entscheidendes Gegengewicht zur insgesamt rückläufigen Tendenz habe der zuletzt etwas schwächere Euro-Kurs bilden können, der die Ausfuhren in den Dollar-Raum verbilligt. „Die negative Entwicklung wird maßgeblich durch die schlechte Stimmung der Konsumenten und Unternehmen bei den europäischen Handelspartnern verursacht“, befand Ifo.
Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, sagte dem Magazin „Der Spiegel“, er sehe die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft nach einer Minusrate im zweiten Quartal auch im dritten schrumpfe. Nach der gängigen Definition hieße das, dass Deutschland in eine Rezession zu stürzen droht. „Der Aufschwung geht zu Ende“, sagte Snower. Er glaube nicht an eine schnelle Erholung. Mit einer Belebung der deutschen Konjunktur rechne er in den nächsten zwei Quartalen nicht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch im nächsten Jahr keinen Aufschwung gibt, ist hoch“, ergänzte er. Er halte für möglich, dass Deutschland in eine anhaltende wirtschaftliche Stagnation abgleite wie in den Jahren vor 2005.
Snower riet davon ab, als Reaktion auf die wirtschaftliche Schwäche an die Bürger Steuerschecks auszugeben, wie das in den USA geschehen ist. Er halte diesen Weg für untauglich. Einmalige Maßnahmen wie Steuerschecks brächten allenfalls kurzzeitig etwas und wirkten wie ein Strohfeuer. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts einer stärkeren Teuerung die Zinsen Anfang Juli erhöhte, traf auf Snowers Verständnis. Wenn nun die Öl- und Rohstoffpreise weiter sinken würden, „dann hat sie auch wieder mehr Spielraum, die Zinsen zu senken“, ergänzte er.
reuters/phj



