Den Verbrauchern ist im August ein neuerlicher Teuerungsschub erspart geblieben. Die Lebenshaltungskosten gingen wegen gesunkener Energiepreise und günstigerer Lebensmittel im Vergleich zum Juli um 0,3 Prozent zurück. Das teilte das Statistische Bundesamt nach ersten Berechnungen mit. Auf Jahressicht lag die Teuerung mit 3,1 Prozent unter dem 15-Jahres-Hoch von 3,3 Prozent, das im Juni und Juli erreicht wurde. Experten sehen den Gipfel bei der Teuerung überschritten und erwarten weiter sinkende Inflationsraten in den kommenden Monaten. Damit wächst auch die Hoffnung auf ein Anspringen des privaten Konsums.
Gedämpft wurde der Preisauftrieb vom kräftigen Rückgang des Ölpreises. Kostete ein Fass Mitte Juli mit 147 Dollar so viel wie nie zuvor, sind es derzeit rund 30 Dollar weniger. Benzin war dadurch im August etwa fünf bis sechs Prozent billiger als im Juli. Bei Heizöl betrug der Rückgang sogar knapp neun bis fast zwölf Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat blieben Kraftstoffe und Heizöl jedoch deutlich teurer. Allerdings drohen bei der Energie neue Teuerungen. Zahlreiche Gas- und Stromversorger kündigten bereits Preiserhöhungen an.
Auch Lebensmittel wurden unter dem Strich billiger. Obst und Gemüse kosteten weniger als im Vormonat. Für Fleisch mussten die Verbraucher dagegen mehr ausgeben.
Experten erwarten, dass die Teuerungsraten in den kommenden Monaten weiter sinken. „Den Gipfel bei der Inflation sollten wir gesehen haben“, sagte Dresdner-Bank-Ökonom Gregor Eder. Das könne den Konsum ankurbeln, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dreger. „Wenn die Inflation sinkt, wird Kaufkraft frei“, sagte Dreger. „Die Frage ist aber, inwieweit sich die Verbraucher weiter verunsichern lassen und sparen.“ Im zweiten Quartal legten die Deutschen bei kräftig gestiegenen Einkommen so viel auf die hohe Kante wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr.
Trotz des jüngsten Rückgangs liegt die Inflationsrate deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie sieht stabile Preise nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Bundesbankpräsident Axel Weber sieht deshalb keinen Grund zur Entwarnung. „Inflation bleibt die Sorge Nummer eins für die Zentralbanker im Euro-Raum“, sagte er der Agentur Bloomberg. Analysten rechnen deshalb nicht damit, dass die EZB ihren Leitzins in diesem Jahr senkt, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Die niedrigen Teuerungsraten früherer Zeiten sind trotz des erwarteten Rückgangs vorerst nicht in Sicht, sagte der Chefvolkswirt des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide. „Die Geldpolitik der Notenbanken war sehr expansiv, hier ist noch viel Liquidität im Umlauf.“ Durch diese Politik niedriger Zinsen hätten die Notenbanken zum weltweiten Boom beigetragen, der sich in den stark gestiegenen Rohstoff- und Immobilienpreisen geäußert habe. Nun steckten die Währungshüter in einem Dilemma: Einerseits müssten sie diese überschüssige Liquidität abschöpfen, gleichzeitig dürften sie die Konjunktur aber nicht belasten.
Reuters/laf



