Mit dem Ferienbeginn in Baden-Württemberg hat an diesem Wochenende die diesjährige Urlaubssaison ihren Höhepunkt erreicht. Bis auf die Bayern befindet sich damit das gesamte Land in den Ferien. Auch den meisten Börsianern wird die Verschnaufpause nach dem wenig erbaulichen ersten Halbjahr gerade recht kommen. Rund 20 Prozent hat der Dax seit Jahresanfang eingebüßt und trotz zuletzt wieder anziehender Kurse bleibt die Unsicherheit groß.


Um dennoch unbeschwert in den Sommerurlaub fahren zu können, kann es sich als sinnvoll erweisen, dem Depot vor der Abreise noch ein bisschen Stabilität zu verleihen. Das vermeidet ein böses Erwachen bei der Heimkehr.


Eine der Möglichkeiten, um sich mit Hilfe von Zertifikaten gegen einen Börsenabsturz während des Urlaubs zu wappnen, sind sogenannte Reverse-Bonuszertifikate. Bei diesen profitieren Anleger von fallenden Aktienkursen, wobei aber Börsengewinne nicht zwangsläufig zu Verlusten führen. Das gilt beispielsweise für ein Reverse-Daxpapier der französischen BNP Paribas. Das heute zu rund 83,70 Euro angebotene und Ende Oktober fällige Zertifikat wird nämlich in jedem Fall zu 84 Euro zurückgezahlt, solange der Dax nie über 8400 Punkte klettert (WKN: BN1KUF).

Das dies ist in den kommenden knapp drei Monaten geschieht, dürften nur sehr optimistische Anleger ernstlich in Erwägung ziehen. Weniger zuversichtlichen Investoren kann das Papier indes wertvolle Dienste leisten, sollte es zu einem stärkeren Einbruch am Aktienmarkt kommen. Tatsächlich positive Kurseffekte bringt das Zertifikat allerdings erst bei einem Indexrückgang unter 5400 Punkte. Dort liegt der sogenannte Bonus-Level, dessen Auszahlung bereits in dem anvisierten Erstattungswert von 84 Euro berücksichtigt ist. Zu darüber hinausgehenden Gewinnen kommt es nur, bei einem Indexrückgang unter das 5400er-Level.

Schnellere Kursgewinne, die mögliche Depotverluste ausgleichen können, liefert ein bereits Ende September fälliger Dax-Reverse der Citigroup. Bei diesem wirken sich bereits Indexverluste unterhalb von 6300 Punkten positiv aus. Dafür müssen Anleger aber schon jetzt einen kleinen Aufschlag auf den eigentlich angestrebten Bonusbetrag zahlen. Der beträgt 89 Euro und stellt die Mindesterstattung dar, sofern der Dax bis Ende September nicht bis auf 10.100 Punkte anzieht. Bei einem aktuellen Zertifikatepreis um 91 Euro würden ohne nachhaltige Börsenverluste also rund zwei Euro verloren gehen. Sie sind quasi die Versicherungsprämie für einen erholsamen Urlaub.

Denn im Gegenzug würden Anleger bei weiteren Börsenverlusten unmittelbar profitieren, wobei sich der Rückzahlungswert nach der Formel „Basis plus (Basis minus Indexstand)“ errechnet. Bei besagtem Zertifikat liegt diese Basis bei 7600 Dax-Punkten, sodass sich etwa bei einem Einbruch bis auf 5000 Punkte ein Rückzahlungswert von 102 Euro (76 plus 76 minus 50) ergäbe. Anders ausgedrückt: Wenn der Dax ausgehend von aktuell rund 6400 Punkten noch einmal 1400 Punkte verliert, erzielen Anleger mit dem Dax-Reverse-Zertifikat einen Gewinn von immerhin rund elf Euro (WKN: CG67EQ).

Noch deutlich höhere Quoten bieten aber die spekulativeren Put-Optionsscheine und Short-Turbos. Als Urlaubshelfer sind jedoch die herkömmlichen Puts vorzuziehen. Denn anders als bei Turbos, gibt es bei klassischen Optionsscheinen keinen sogenannten Knock-Out, der zum sofortigen Verfall und Totalverlust führt. Attraktiv erscheint beispielsweise ein Dax-Put der Deutschen Bank, der nur noch bis Ende August läuft. Der Basispreis dieses Papiers liegt bei 6350 Dax-Punkten, wobei Anleger per Fälligkeit für jeden Indexpunkt unter diesen 6350 Zählern einen Cent ausgezahlt bekommen.

Bei einem aktuellen Verkaufspreis von 1,42 Euro müsste der Dax also bis auf 6208 Punkte (Break Even) fallen, damit zumindest die Versicherungsprämie wieder hereingeholt wird. Darunter beginnt dann die Gewinnzone mit der etwaige Verluste der übrigen Depotpositionen teilweise oder ganz ausgeglichen werden können. Dabei hilft dann der für Optionsscheine typische Hebeleffekt, der dafür sorgt, dass diese Papiere überdurchschnittlich von Kursbewegungen profitieren. So würde bei dem Dax-Put schon ein Indexrückgang auf 6000 Punkte zu einem Gewinn von beinahe 150 Prozent führen, weil der Rückzahlungswert dann auf 3,50 Euro je Papier ansteigt – bezogen auf den Kaufpreis von 1,42 Euro, wären das mehr als zwei Euro Kursgewinn pro Put (WKN: DB14JX).

Fazit: Historisch gesehen zählen die Sommermonate zu den schwächsten Börsenphasen. Deshalb ist eine vorübergehende Absicherung des Depots durchaus sinnvoll. Wie bei allen Versicherungsprämien sollten sich Anleger aber nicht grämen, wenn sie sich im Nachhinein als unnötig erweisen sollten.

Hintergrund: Entspannt in den Urlaub mit Stop-Loss

Der Urlaub ist dazu gedacht, sich zu entspannen und neue Kraft zu schöpfen. Für Börsianer ist das gerade im Sommer 2008 nicht ganz einfach. Denn manch einem bereitet schon die Frage Kopfzerbrechen, ob es am Urlaubsort einen brauchbaren Internetzugang gibt, um im Falle eines neuerlichen Schwächeanfalls schnell genug die dann fälligen Verkaufsorders zu platzieren. Andernfalls kann einem schon die Aussicht darauf, bei der Rückkehr möglicherweise ein übel zerrupftes Portfolio vorzufinden, die Freude über Strand, Sonne und Meer ordentlich verderben.

Eine denkbare, aber in den meisten Fällen nicht übermäßig sinnvolle Vermeidungstaktik ist der große Börsen-Kehraus. Ein leergefegtes Depot kann selbst beim schlimmsten Crash keinen Schaden mehr nehmen. Allerdings bleiben dann natürlich auch etwaige Chancen ungenutzt und ernsthaft wird kaum jemand diese Radikalstrategie tatsächlich verfolgen. Sehr viel praktikabler ist ein anderer Weg für die Crash-Versicherung während der eigenen Sommerpause. An den Börsen wird nämlich ein besonderer Ordertyp angeboten, der gerade in der Urlaubszeit wertvolle Dienste leisten kann. „Stop-Loss“ heißt er. Auf Deutsch: Stoppe den Verlust.

Im Prinzip wird mit einer Stop-Loss-Order der Verkauf der jeweiligen Position angeordnet. Allerdings, und das ist der entscheidende Unterschied, wird gleich dazu gesetzt, dass der Verkauf nur dann durchgeführt werden soll, wenn Aktie, Zertifikat oder Optionsschein unter eine bestimmte Kursschwelle rutscht. Geschieht dies, wird mit dem nächsten möglichen Kurs die Position aufgelöst und weitere Einbußen werden verhindert. Mit so einer Order kann zum Beispiel sichergestellt werden, dass ein Fortgang der Dax-Erholung weiter genutzt wird, während ein Absturz automatisch bei 6000 Punkten gebremst wird. Mit dem nächsten Kurstick wird das Indexzertifikat dann verkauft und wenn der Dax anschließend bis auf 4000 Punkte zurückfällt, kann das dem Stop-Loss-Verkäufer relativ gleichgültig sein. Der einzige Grund, dann trotzdem während des Urlaubs in Hektik zu verfallen, wären die sich auf diesem Niveau unweigerlich aufdrängenden Nachkaufgelüste.