Der Kursverfall am deutschen Aktienmarkt setzt sich fort. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund 22 Prozent an Wert eingebüßt. Noch stärker waren die Abschläge zwischenzeitig bei einigen Aktien der erfolgsverwöhnten Energieversorger, nach dem sie in den zurückliegenden Jahren zu den absoluten Outperformern der Börse gezählt hatten. Doch nun scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Dafür sorgt zum einen die wieder aufkeimende Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Und zum anderen die Anfang dieser Woche verkündete Ausweitung der von der Bundesnetzagentur gewährten Renditen für den Betrieb der Leitungsnetze. Ersten Schätzungen zufolge, sollen sich die Mehreinnahmen aus dem Netzbetrieb auf bis zu 300 Mio. Euro belaufen, von denen Analysten zufolge auf die beiden im Dax vertretenen Versorger E.on und RWE jeweils 90 Mio. Euro entfallen könnten.
Noch stärkere Wertsteigerungseffekte hätte jedoch eine Ausweitung der Nutzungsdauer der Kernenergie. Nach Berechnungen der Analysten von Sal. Oppenheim, könnte laut "Handelsblatt" bereits ein Aufschub der bis 2012 anstehenden Schließungen in Biblis (RWE), Brunsbüttel, Isar 1 und Unterweser (alle E.on) zu Mehreinnahmen von rund 1,8 Mrd. Euro führen. Und auch wenn derlei Gedankenspiele bislang kaum mehr als Spekulationen sind, an der Börse zeigen sie bereits Wirkung. Sowohl E.on als auch RWE haben sich in den vergangenen Wochen vom Dax-Verlierer wieder zu Dax-Überfliegern gemausert. Dies soll sich nicht nur nach Einschätzung von Sal. Oppenheim in den kommenden Monaten fortsetzen. Als Top-Empfehlung sehen die Oppenheim-Analysten dabei RWE, deren Aktienkurs auch ohne zusätzlichen Schub durch eine Laufzeitenverlängerung Luft bis 99 Euro hätte.
Aus Anlegersicht sind dabei neben dem Aktienkauf über Zertifikate auch andere Strategien denkbar, die je nach Ausgestaltung die Chancen erhöhen oder aber das Anlagerisiko reduzieren. Eine Alternative für RWE-Optimisten bietet beispielsweise HSBC Trinkaus an. Bei einem von der Bank begebenen Outperformance-Zertifikat werden alle Kursgewinne oberhalb von 46 Euro mit dem Faktor 1,9 multipliziert (WKN: TB8TPN). Ein Anstieg von zehn Euro bei der Aktie brächte damit einen Kursgewinn von 19 Euro beim Zertifikat. Die Laufzeit reicht bis Ende 2010 und damit bis weit über die nächsten Bundestagswahlen hinaus, was in Hinblick auf die Atomkraft-Spekulation zusätzlichen Reiz hat, da nach einem Wechsel der Regierungskoalition auch die Chancen für eine Abkehr vom Atomausstieg steigen könnten. Zu beachten ist außerdem, dass der Hebeleffekt bei dem HSBC-Papier auch bei nachgebenden Kursen wirkt. Aufgrund der bereits weit über dem Basispreis von 46 Euro notierenden Aktie (aktuell rund 78 Euro) ist der Zertifikatspreis bereits auf mehr als 100 Euro angestiegen, was dazu führt, dass es bei einer unerwartenden Trendumkehr auch zu überproportionalen Verlusten kommen kann. Um dies zu vermeiden, kann auf ein Zertifikat der Deutschen Bank ausgewichen werden, das derzeit etwas weniger kostet als die Aktie, bei dem dafür aber auch nur ein Hebel von 1,42 auf Gewinne oberhalb von 74,76 Euro greift (WKN: DB3BUN).
Ohne Hebel, dafür aber mit der Chance auch bei einem Ausbleiben der RWE-Rallye eine ansprechende Rendite zu erzielen, ist die Anlage mit Bonuszertifikaten. Bei einem solchen Papier der Landesbank Baden-Württemberg kommt es im Oktober 2010 auch dann zu einer Auszahlung von 97,70 Euro, wenn die Aktie bis dahin nicht weiter gestiegen sein sollte. Aus heutiger Sicht entspräche das einem Gewinn von 24 Prozent oder rund zehn Prozent pro Laufzeitjahr. Voraussetzung für diese Bonuszahlung ist jedoch, dass die Aktie nie unter die Marke von 52,20 Euro absinkt, da sonst der Bonusanspruch verloren geht. Bei Aktiengewinnen über den Bonusbetrag von 97,70 Euro bleiben Anleger aber weiter dabei, wobei es dann keine Rolle spielen würde, ob die Kursschwelle zuvor verletzt wurde. (WKN: LBW3PE).
Eine dritte Möglichkeit, um sich an einer denkbaren Kursrallye der Versorger zu beteiligen bieten Safe-Zertifikate. Bei einem solchen Papier der Dresdner Bank werden per Fälligkeit (Juni 2010) mindestens 80 Euro zurückgezahlt. Bei einem aktuellen Verkaufspreis von 82,50 Euro ist der maximale Verlust damit auf 2,50 Euro (etwa 3,5 Prozent) beschränkt. Im Gegenzug erhalten Anleger aber die Chance, in vollem Umfang an möglichen Kursgewinnen der Aktie beteiligt zu bleiben (WKN: DR1D9M).
Fazit: Über die unterschiedlichen Produkttypen können Anleger ihre eigene Strategie sehr genau steuern. Denn je nach Zertifikat können die Kurschancen erhöht oder die Verlustrisiken reduziert werden. Der Preis dafür beschränkt sich in den meisten Fällen auf einen Verzicht auf die Dividenden, die zur Finanzierung von Hebel oder Puffer genutzt werden.


