Vor falschen Datenschützern warnt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) im Zusammenhang mit dem jüngsten Datenskandal. Verbrauchern sei telefonisch Schutz ihrer persönlichen Daten angeboten worden, sagte VZSH-Sprecher Thomas Hagen am Freitag in Kiel. Offenbar wolle eine Organisation, die sich Deutscher Verband gegen Datenmissbrauch und Werbebelästigung nenne, mit der Furcht vor Datenmissbrauch Kasse machen.

Gegen einen Betrag von 60 Euro werde Verbrauchern ein Schutz vor lästigen Anrufen und unberechtigten Abbuchungen versprochen. Die Anrufer verrieten allerdings nicht, wie das konkret gehen solle.


Nach Angaben der Verbraucherschützer verfügen der Verband oder mit ihm zusammenarbeitende Callcenter offenbar auch über die Kontoverbindung der Angerufenen. Den Betroffenen werde diese als Argument für die Notwendigkeit einer Mitgliedschaft vorgelesen. Hagen betont: „Derzeit gibt es keinen wirksamen Schutz gegen Datenmissbrauch“. Verbraucher sollten deshalb sehr zurückhaltend mit der Nennung sensibler Daten sein. Er riet dringend davon ab, sich auf Geschäfte mit diesen oder anderen angeblichen Datenschützern einzulassen.

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass Callcenter die Bankdaten Tausender Menschen missbraucht haben sollen. Die VZSH erhielt eine CD mit mehr als 17.000 Datensätzen. Sie soll neben Namen, Geburtsdatum, Telefonnummer und Adresse auch die kompletten Bankdaten enthalten.

Inzwischen hat sich ein Mann bei der Polizei in Hannover gestellt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Details zu den Personalien und den Hintergründen nannte der Sprecher nicht. Die Vernehmungsunterlagen seien derzeit auf dem Weg von Niedersachsen nach NRW. Dem Zeitungsbericht zufolge ist der Mann seit zwölf Jahren im Telefonwerbergeschäft tätig. Er habe vor zwei Jahren für die Süddeutsche Klassenlotterie Daten gesammelt und diese auf CD gebrannt. Die bis zu 2,5 Millionen Datensätze habe er dreimal verkauft.

ddp/lw