Der Skandal um die unerlaubte Weitergabe von Kontodaten tausender Verbraucher weitet sich aus. Ermittler in Lübeck durchsuchten die Räume einer Callcenter-Firma, wie ein Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft sagte. Bei der Razzia seien mehrere Computer und Laptops sowie Daten-CDs sichergestellt worden, die nun analysiert werden müssten. Zudem ist offenbar auch ein Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe von dem Datenmissbrauch betroffen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, forderte höhere Strafen für die Weitergabe persönlicher Daten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Lübeck besteht der Verdacht, dass das Callcenter in der Hansestadt sich zu kommerziellen Zwecken unbefugt Daten beschafft haben sollen. Erhalten haben soll es die Daten von einer Firma in Viersen, deren Räume am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach durchsucht worden waren. Erhärte sich der Verdacht, drohten den Verantwortlichen bis zu zwei Jahre Haft, sagte der Behördensprecher.


Hamburger Verbraucherschützer erklärten am Donnerstag, ihnen lägen zahlreiche Beschwerden von Verbrauchern gegen die Firma BC Bonusclub GmbH vor. Die Betroffenen hätten von dem Unternehmen der DirectGroup Bertelsmann Begrüßungsbriefe als angebliche Neumitglieder eines Bonus-Clubs erhalten. In den Schreiben sei die Kontonummer der Angeschriebenen aufgetaucht. Diese jedoch versicherten nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH), zuvor keinen Kontakt zu der Firma gehabt zu haben. „Die Daten können nur aus halbseidenen Quellen stammen ähnlich denen, die von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein aufgedeckt wurden“, erklärte VZHH-Expertin Edda Castelló.


Ein Sprecher von Bertelsmann in Gütersloh bestätigte, dass BC Bonusclub von dem Skandal offenbar betroffen sei. Allerdings sei das Unternehmen, das Glücksspiele vertreibt, keineswegs in den Skandal verwickelt, sondern offenbar selbst davon betroffen. Bertelsmann versuche nun, diesem Verdacht nachzugehen. Dem Sprecher zufolge nutzten offenbar Callcenter, die im Auftrag von Bertelsmann arbeiteten, auch illegale Daten für ihre Anrufe. Unabhängig davon, ob die Kunden dann aber Interesse am Angebot der Firma gehabt hätten, hätten die Callcenter dann Unterlagen versandt. Teils sei dies offenbar sogar ohne Anrufe geschehen.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar forderte höhere Bußgelder beim unzulässigen Verkauf von persönlichen Daten. „Ich trete für eine deutliche Aufstockung der Strafe ein, denn es kann nicht sein, dass ein Unternehmen, das gegen das Gesetz verstößt, ein Bußgeld erhält, das so niedrig ist, dass es aus der Portokasse bezahlt werden kann“, sagte Schaar dem „Hamburger Abendblatt“ vom Donnerstag. Derzeit werden Bußgelder in der Höhe von bis zu 250.000 Euro verhängt.

Die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte eine CD mit persönlichen Informationen wie Namen, Adressen, Telefonnummern und Kontonummern von rund 17.000 Bundesbürgern, die der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nach deren Angaben am Montag zugespielt worden war. Die CD steht demnach im Zusammenhang mit Werbeanrufen eines Glücksspielanbieters und illegalen Kontoabbuchungen bei Verbrauchern in den vergangenen Wochen. Entsprechende Beschwerden hätten sich zuletzt bei Verbraucherzentralen im gesamten Bundesgebiet gehäuft.

AFP/dma