Die Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützt ein Sommercamp für lernschwache Hauptschüler. Dies hat der Chef der Agentur, Frank-Jürgen Weise, angekündigt. „Mit diesem Präventionsinstrument können wir Arbeitslosen-Biografien verhindern“, sagte Weise.
Das Problem bisher: Jedes Jahr schaffen 80.000 Jugendliche noch nicht einmal den Hauptschulabschluss. Arbeitgeber klagen: 20 Prozent der Jugendlichen taugen nicht für eine Lehrstelle – sie sind zu schlecht in Deutsch, Mathe und haben eine mangelhafte allgemeine Bildung.
Die Bildungsmisere des Nachwuchses kostet den Staat Milliarden. Weil viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden, werden sie in berufsvorbereitende Maßnahmen gesteckt. „Wir müssen viel früher anfangen, um Menschen für den Beruf zu qualifizieren“, meint BA-Chef Weise.
Erste Erfahrungen hat die Arbeitsagentur bereits gesammelt. In einem Pilot-Projekt förderte die BA im Jahr 2007 ein Sommerlager mit 54 Hauptschülern. Die Achtklässler lernten dort mithilfe von Pädagogen der Leuphana Universität Lüneburg. Das soll Schule machen: Die Schüler bekommen Unterricht in Mathematik, Deutsch und Englisch.
Sie studieren während des Camps ein Musical ein, wählen ein Schülerparlament – und üben das sichere Auftreten beim Bewerbungsgespräch. Das Pilot-Projekt zeigte Wirkung. Von den 54 Teilnehmern mussten nur drei die achte Klasse wiederholen. Die meisten streben nun einen höheren Abschluss an. „Das Konzept erzeugt nachprüfbare Resultate“, meint Weise.
Das diesjährige Camp veranstaltet die Universität auf einem Gelände im Harz. Vier Wochen leben und arbeiten die Hauptschüler zusammen. „Ziel des Angebotes ist es, die Chancen der Jugendlichen auf eine Lehrstelle soweit zu erhöhen, dass sie am Ende der neunten Klasse direkt in die Berufsausbildung gehen können“, erklärt ein Sprecher der Universität.
Die spätere Praxis sollen die Teilnehmer in einer Schülerfirma erproben. In Schnupperkursen lernen sie dabei auch verschiedene Berufe kennen. Dazu werden Handwerksmeister aus der Region als Gäste eingeladen. Vier Wochen Camp reichen nach Einschätzung der Organisatoren jedoch nicht aus. Deswegen begleitet das Projektteam der Lüneburger Uni die Schüler darüber hinaus noch und gibt ihnen Hilfestellung bei der Vorbereitung fürs Arbeitsleben, wie es im Konzept des wissenschaftlichen Leiters, Professor Kurt Czerwenka, heißt.
Für die Hauptschüler ist das Lern-Camp kostenlos
Für die Jugendlichen kostet das Camp nichts. Die Ausgaben sollen künftig außer durch die Arbeitsagenturen über Sponsoren gedeckt werden. 2009 soll das Modell deshalb auf weitere Bundesländer ausgedehnt werden. Ein weiteres Lager ist dann in Bayern geplant. Angedacht sind auch von den Schulen selbst veranstaltete Sommercamps.
Doch der Vorstoß der Bundesagentur ist politisch brisant. Bildung ist Sache der Länder. Zudem wollen CDU und CSU die Rücklagen der Bundesagentur nutzen, um die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um weitere 0,3 Prozent auf drei Prozent senken. Dagegen wehrt sich der BA-Chef: "Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind bereits um 24 Milliarden entlastet worden.“
BA-Chef Weise ist nämlich überzeugt, dass sich die geplanten Sommercamps für Lernschwache rechnen. Was in solchen Lagern für die Bildung junger Menschen ausgegeben werde, spare der Staat später an Arbeitslosengeld ein. Bislang werde die Arbeitslosenversicherung erst aktiv, wenn der Versicherungsfall Arbeitslosigkeit schon eingetreten ist, bemängelt der Agentur-Chef. Wie stark sich die Bundesagentur im Bildungsbereich engagieren soll, muss nun der Verwaltungsrat aus Arbeitgebern, Gewerkschaften und öffentlicher Hand entscheiden.
Frank-Jürgen Weise legt den Unionsparteien nah, statt über eine Senkung der Arbeitslosen-Beiträge eher darüber nachzudenken, wie das Geld der BA sinnvoller ausgegeben werden kann. „Man muss überlegen, ob man das Geld nicht besser in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie etwa den Sommercamps für Jugendliche investiert.“ Mitarbeit: oht




