Den Handlungsbedarf hatten die hochrangigen Banker direkt vor Augen, als sie in Washington zusammentrafen. In Amerika rufen Bankenpleiten sogar das FBI auf den Plan, und selbst bei einem Haus wie JPMorgan, das vergleichsweise gut durch die Krise kam, halbiert sich mal eben der Gewinn.

Der Bankenverband IIF setzt mit seinem Bericht ein starkes Signal: Die Branche redet ihre Lage nicht schön, sondern räumt offen ein, dass sie sich reformieren muss. Dieses Schuldeingeständnis von mehr als 370 Banken ist bemerkenswert.


Im Kampf gegen künftige Krisen ist der 213 Seiten starke Bericht jedoch nicht mehr als ein erster Schritt. Denn vieles hängt nun davon ab, was die Branche aus den hehren Vorschlägen macht. Wenn die Leitlinien zu einem allgemein anerkannten Verhaltenskodex werden, hätte der IIF-Vorsitzende Josef Ackermann viel erreicht. Doch wie schwierig der Weg dorthin bleibt, zeigen etwa die äußerst vage gehaltenen Prinzipien für die Boni der Investmentbanker: Auf konkrete Empfehlungen konnte man sich nicht einigen. Die Gefahr ist groß, dass Egoismus im Wettbewerb auch künftig über die Prinzipien siegt.


Das gilt auch für die umstrittenen Bilanzierungsregeln. Hier bleiben die Vorschläge der Banken nebulös. Zweifellos hat das gegenwärtige System, das sich in erster Line auf aktuelle Marktpreise stützt, seine Tücken. Doch wenn die Banken hier Veränderungen fordern, dürfen sie keinesfalls der Versuchung erliegen, das Ausmaß ihrer Verluste verschleiern zu wollen.

Die bisherigen Vorschläge wecken durchaus diesen Verdacht. Hier muss die Branche nacharbeiten und mehr Einigkeit erzielen. Gelingt dies nicht, bleibt entweder alles beim Alten, oder aber die Politik verordnet den Banken weitaus strengere Regeln. Beides würde der Finanzwelt schaden. Und von der Arbeit des IIF bliebe kaum mehr als 213 Seiten Altpapier.