Seit acht Jahren wird in Deutschland über ein wirksames Gesetz gegen unfreundliche Übernahmen und aggressive Investoren gerungen. Ausgelöst durch den tiefen Schock der Mannesmann-Übernahme gab es viele Anläufe, Unternehmen und Aktionäre vor trickreichen Firmenjägern zu schützen. Der jüngste Versuch, das sogenannte Risikobegrenzungsgesetz, soll in einigen Wochen in Kraft treten und neue Verbesserungen bringen. Es sieht niedrigere Meldeschwellen und strengere Transparenzvorschriften vor, so dass ein heimliches Anschleichen an ein Unternehmen früh erkannt wird. Doch seit Dienstag weiß jeder, dass auch dieses Gesetz kaum durchschlagenden Erfolg haben wird.


Durch eine groß angelegte Verschleierungstaktik hat sich die Schaeffler-Gruppe sehr einfallsreich die Macht beim Dax-Konzern Continental gesichert. Unbemerkt vom Management, den beratenden Banken und den Kleinaktionären wurden Aktien, Optionen und andere Finanzvehikel aufgekauft. Es mag ein legales Vorgehen gewesen sein. Allerdings widerspricht es allem, was der Gesetzgeber mit seinen Regelungen bezwecken wollte.

Das Vorgehen von Schaeffler wird neue Maßstäbe bei Übernahmen setzen. Weil man sich schon vor dem eigentlichen Übernahmeangebot den Zugriff auf 36 Prozent der Stimmrechte sicherte, brauchen die Franken nun auch keine teure Übernahmeprämie mehr zu zahlen. Schaeffler wird das Kaufangebot einfach ins Leere laufen lassen, um sich später fern jeder rechtlichen Verpflichtung über die Börse mit Conti-Aktien einzudecken. Es ist eine sehr preisgünstige Methode, die Macht bei einem Unternehmen zu übernehmen. Deshalb wird sie Schule machen.