Der Autozulieferer Continental hat das milliardenschwere Übernahmeangebot der Schaeffler Gruppe abgelehnt und ist auf Konfrontationskurs gegangen. Conti-Chef Manfred Wennemer bezeichnete die Offerte des Familienunternehmens aus dem fränkischen Herzogenaurach als deutlich zu niedrig. Schaeffler verhalte sich „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos“, sagte Wennemer. Bei den Gesprächen sei man „getäuscht“ worden. Das Angebot entspreche „in keinster Weise“ dem fairen Wert von Conti.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) warnte vor einer Zerschlagung von Conti. „Wir bewerten die gesamte Entwicklung danach, dass die Arbeitsplätze gesichert sind, dass die Conti eigenständig bleibt, dass sie börsennotiert im Dax bleibt, dass sie zusammenbleibt und nicht zerschlagen wird und ihren Sitz in Hannover behält“, sagte Wulff Morgenpost Online. „Wir machen uns jedoch Sorgen, dass diese Voraussetzungen erfüllt werden.“
Schaeffler wehrte sich gegen die Vorwürfe. Man könne die „ablehnende Reaktion des Vorstands der Continental AG nicht nachvollziehen“. Die beiden Unternehmen könnten ihre Stärken kombinieren und einen „Global Leader unter den Automobilzulieferern schaffen“, sagte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger.
Durch die Ablehnung der Offerte ist der Kampf um Conti nun auch offiziell die zweitgrößte feindliche Übernahme zwischen deutschen Unternehmen. 2006 hatte der Pharma- und Chemiekonzern Merck erfolglos versucht, den Berliner Konkurrenten Schering gegen den Willen des Managements und des Aufsichtsrates zu schlucken.
Die Schaeffler KG hatte ein Übernahmeangebot für Conti präsentiert. Den Aktionären bietet das Familienunternehmen 69,37 Euro je Anteilsschein und damit mehr als vier Euro weniger, als die Aktie derzeit an der Börse wert ist. Insgesamt bewertet das Schaeffler-Angebot Continental mit 11,2 Mrd. Euro. Analysten hingegen taxieren den fairen Wert des Hannoveraner Konzerns wesentlich höher: auf 18 bis 21 Mrd. Euro. Zusammen mit einem Bankenkonsortium unter der Federführung des Investmenthauses Merrill Lynch hat sich Schaeffler bereits in den vergangenen Monaten mit Aktien und Optionen eingedeckt und hat nun Zugriff auf bis zu 36 Prozent der Conti-Aktien.
Das reicht jedoch für eine Mehrheit bei den Hauptversammlungen. Bankenkreisen zufolge soll sich Schaeffler die Conti-Aktien zu 55 bis 69 Euro gesichert haben.
Offen ist noch, wie Schaeffler mittelfristig die Transaktion bezahlen will. Daher wurde auch schon spekuliert, dass Schaeffler für die Finanzierung der Übernahme das Reifengeschäft von Conti verkaufen wird. Analysten bewerten das Ursprungsgeschäft des Hannoveraner Konzerns mit sechs bis sieben Mrd. Euro. Allerdings hat der erste potenzielle Käufer bereits abgewinkt. Der italienische Autozulieferer Pirelli hat nach Informationen von Morgenpost Online kein Interesse an der Übernahme der Reifensparte. Pirelli braucht kein weiteres Standbein in Europa, sondern eines in Asien.
Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger dementierte allerdings, dass der Familienkonzern eine Zerschlagung von Conti und eine Veräußerung der Reifensparte plane. IG Metall und IG BCE glauben den Bekundungen jedoch nicht. Es sei „Gefahr in Verzug“, sagte Werner Bischoff, IG BCE-Vorstandsmitglied.
Bei Schaeffler sehen Arbeitnehmervertreter die geplante Übernahme weniger kritisch. „Technologisch ist die Verknüpfung zwischen beiden Unternehmen sehr positiv“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Norbert Lenhard. Momentan sei auch keine Gefahr für die Arbeitsplätze im Konzern zu erkennen. Schaeffler beschäftigt 66.000 Mitarbeiter, Conti 150.000.



