Auch in dieser Woche dürfte es an den Aktienmärkten wieder recht turbulent zugehen. Angesichts einer Flut von Unternehmensbilanzen aus den USA und Europa mögen die meisten Analysten jedoch keine konkreten Prognosen abgeben, in welche Richtung sich die Börsen bewegen. „Bei den Kursbewegungen der letzten Tage ist es einfach zu sagen, dass wir weiterhin mit hohen Schwankungen rechnen“, fasst NordLB-Analyst Tobias Basse zusammen.
Der Dax hat in der vergangenen Woche zeitweise 2,5 Prozent auf 5999 Zähler verloren und damit am Mittwoch vorübergehend den tiefsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Doch mit den positiven Überraschungen einiger US-Banken und des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia setzte anschließend die Erholung ein. Letztlich konnte der Dax die Woche sogar mit einem deutlichen Plus von über drei Prozent abschließen. Unterstützt wurde die Dax-Erholung vom stark fallenden Ölpreis. Mussten vor einer Woche noch 145 Dollar bezahlt werden, kostete das Fass US-Leichtöl am Freitagabend keine 130 Dollar mehr. Nach Einschätzung der Commerzbank sprechen technische Stimmungsindikatoren dafür, dass die Kurserholung im Dax erst einmal weitergeht.
Helaba-Analyst Markus Reinwand sieht zwar mit Blick auf die US-Bilanzsaison Chancen für positive Überraschungen, warnt aber auch vor neuen Risiken. „Es ist noch zu früh, um Entwarnung zu geben“, erklärt er. Wie Reinwand erwartet jedoch auch Basse kein langfristiges Abtauchen des Dax unter die 6000er-Marke.
Nachdem schon zahlreiche US-Konzerne ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, folgen nun weit über 100 S&P-Unternehmen – alleine mehr als jeweils 40 am Mittwoch und Donnerstag. Unter anderem stehen heute die Bank of America und Apple, Yahoo am Dienstag, Amazon und Boeing am Mittwoch, 3M und Eli Lilly am Donnerstag an. Analysten gehen laut einer Studie von Thomson Reuters davon aus, dass die im S&P500-Index gelisteten Unternehmen im Schnitt für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang von 16 Prozent ausweisen werden. Die Gewinne der Finanzinstitute dürften deutlich stärker um 76 Prozent gefallen sein.
Auch in Europa nimmt die Bilanzsaison Fahrt auf: So werden die Autokonzerne Daimler, VW, Peugeot, Renault und Fiat am Mittwoch und Donnerstag ihre Zwischenberichte vorlegen. Börsianer sind gespannt, wie sehr die Finanzkrise und der hohe Ölpreis über das Verhalten der Verbraucher auf die Industrie durchschlagen. Zudem werden der Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck am Mittwoch und Infineon am Freitag ihre Quartalszahlen veröffentlichen.
Auf der Konjunkturseite steht der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland im Fokus. „Nach dem dicken Minus im ZEW-Index. wird auch der Ifo-Index nach unten zeigen“, erklärt Basse. Im Juni war er deutlich auf 103,5 Zähler gefallen. „Der Ölpreis, der hohe Euro-Kurs und die Finanzkrise werden auch im Juni Spuren hinterlassen haben“, sagt Reinwand. „Aber der Aktienmarkt hat sich darauf schon eingestellt.“
Reuters/dma


