Ein Hausbaudarlehen zu vergeben, ohne die Zahlungsfähigkeit des Schuldners zu prüfen? Jeder deutsche Sparkassendirektor dürfte laut lachen, allein bei dem Gedanken an ein solches Ansinnen. Doch in den USA war die prüffreie Kreditvergabe bis jetzt durchaus möglich – das von der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed) aufgestellte Regelwerk für die Branche der Immobilienfinanzierer ließ dies zu.
Ab sofort ist damit jedoch Schluss. Nach monatelangen Beratungen hat die Fed verbindlich festgelegt, dass es in Zukunft verboten ist, Eigenheimdarlehen zu vergeben, „ohne zu prüfen, ob der Kreditnehmer die Schulden aus anderem Einkommen und Vermögen als dem Wert des Hauses selbst zurückzahlen kann“. Der Passus findet seinen Einzug in die sogenannte „Regulierung Z“, die bereits seit 1968 die Transparenz zwischen Schuldnern und Gläubigern in den Vereinigten Staaten regeln soll.
Einige Ironie steckt darin, dass das Regelwerk ausgerechnet mit dem letzten Buchstaben des Alphabets bezeichnet wird. Unter dem ehemaligen Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan rangierte eine strengere Regulierung nämlich tatsächlich unter „ferner liefen“. Er hatte die laxe Kreditvergabe gutgeheißen.
Noch im April 2005 hatte Greenspan sich gefreut, dass die „Eigenheimquote auf einem Rekordhoch ist“. Mehr als zwei Drittel der Amerikaner wohnten in den eigenen vier Wänden. Greenspan führte dies auf die Deregulierung der Branche und innovative Finanzprodukte zurück.
Während Greenspans über 18-jähriger Amtszeit ist ein Markt für sogenannte Subprime-Kredite entstanden. Damit sind Darlehen gemeint, die höher verzinst sind als gewöhnliche Hypotheken, dafür aber auch an weniger solvente Kunden vergeben werden.
Auf solche Kredite zielen die strengeren Regeln jetzt ganz besonders. Viele Amerikaner mit niedrigen Einkommen hatten sich Häuser in dem sicheren Glauben gekauft, dass deren Wert garantiert steigen werde. Die Schulden würden sich daher auch tilgen lassen, wenn die Einkommen eigentlich nicht dafür ausreichen würden, so das Kalkül. Die Geldgeber machten mit, denn sie verkauften die Risiken auf den weltweiten Finanzmärkten weiter.
Als ab Ende 2006 dann die Immobilienpreise fielen, flog die risikoreiche Finanzierung auf. Der Eigenheimmarkt geriet in einen Abwärtsstrudel, der bis heute anhält. Der Kongress wandte sich in der Folge von den laschen Vergaberichtlinien ab und drang auf eine strengere Prüfung von Kreditanträgen. „Die vorgelegten endgültigen Regeln sollen Verbraucher vor ungerechten und betrügerischen Methoden bei der Hypothekenvergabe schützen“, so der amtierende Fed-Vorsitzende Ben Bernanke.
So wird es deutlich strengere Regeln für die Werbung von Immobilienfinanzierern geben, die in der Vergangenheit oft Zinssätze als fix bezeichnet hatten, die sich in Wahrheit über die Laufzeit des Kredits ändern konnten. Die Darlehensgeber werden zukünftig zudem weniger leicht Strafgebühren erheben dürfen, sollten Schuldner ihre Kredite frühzeitig zurückzahlen wollen. Die neuen Regeln werden zum 1. Oktober 2009 in Kraft treten.


