Wirtschafts- und Arbeitsmarktbericht

Berlins Wirtschaft holt auf wie seit 20 Jahren nicht mehr

2008 wird die Berliner Wirtschaft im vierten Jahr in Folge wachsen, das sagt der Wirtschaftssenator voraus. Berlins Unternehmen sind gut aufgestellt, vor allem die Exporte nach Polen und Russland wachsen. Nun müssten auch die Arbeitsmärkte nach Osten geöffnet werden, fordert die Arbeitssenatorin.

Die Berliner Wirtschaft hat den Zusammenbruch der Staatswirtschaft Ost und der Subventionsökonomie West bewältigt. Diese Botschaft sandte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) am Freitag bei Vorlage des Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichtes 2007/2008 aus. „Wir haben im Strukturwandel einen Wendepunkt erreicht“, sagte Wolf.

Trotz explodierender Energiepreise, Rezessionsangst und internationaler Finanzkrise sagt der Senator für 2008 ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus. Es wäre das vierte Jahr mit Wirtschaftsplus in Folge, so etwas hat es in Berlin seit Mitte der 80er-Jahre nicht gegeben.

Mit einem Plus von 1,3 Prozent würde sich die Hauptstadt noch ein wenig näher an die Wachstumsrate des Bundes heranarbeiten. Die Bundesregierung sagt für Deutschland ein Plus von 1,7 Prozent voraus. 2007 wuchs die Berliner Wirtschaft um zwei, der Bund um 2,5 Prozent. Vor vier, fünf Jahren trennte noch ein Abstand von bis zu drei Prozentpunkten die Hauptstadt vom Rest des Landes, Berlins Wirtschaftsleistung schrumpfte dramatisch.

Berliner Wirtschaft schrumpfte lange

Natürlich habe Berlin von der günstigen Konjunktur profitiert, sagte Wolf. Die Exporte kletterten 2007 um 6,9 Prozent, vor allem in Polen und Russland machen Berliner Firmen zunehmend gute Geschäfte. Was Wolf optimistisch macht, ist der Umstand, dass Berlin von früheren Wachstumsphasen deutlich weniger profitieren konnte als derzeit. Während Deutschland insgesamt Ende der 90er-Jahre Wachstumsraten von zwei bis drei Prozent verzeichnete, schrumpfte die Wirtschaft in der Hauptstadt.

„Jetzt sind die Berliner Unternehmen innovativ und international aufgestellt“, sagte Wolf. Mit einer neuen Konzeption für die Entwicklung der Bestandsunternehmen will Wolf nun die Strukturen der Berliner Wirtschaftsförderung auf einen international konkurrenzfähigen Stand bringen. Die Fördergesellschaft Berlin Partner soll künftig mit Spezialisten große Unternehmen, Ableger großer Konzerne und zukunftstaugliche Firmen betreuen. In den Bezirksämtern soll je ein Mitarbeiter von Berlin Partner die Drähte zur Landesebene straffen und sich zusätzlich der Nöte von Kleinunternehmen und Handwerkern annehmen.

Senatorin: Fachkräftemangel von Firmen "hausgemacht"

Die günstige wirtschaftliche Entwicklung schlägt auf den Berliner Arbeitsmarkt durch. 2007 lag die Erwerbslosenquote im Schnitt bei 15,5 Prozent, nach 17,5 Prozent im Jahr zuvor. Derzeit weist die Statistik noch 13,6 Prozent Arbeitslose aus. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Vorjahr deutlich um 35.000 auf 1,61 Millionen und hat sich zumindest für die Industrie weiter erhöht.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften habe sich auch für Problemgruppen bei den unter 25-Jährigen und Langzeitarbeitslose positiv ausgewirkt, sagte Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke). Sie verlangte von den Unternehmen weitere Anstrengungen, um dem „hausgemachten“ Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dieser sei in Berlin weniger real als „gefühlt“ sagte die Senatorin. Sie kritisierte, dass die Bundesregierung nun den Zuzug für hochqualifizierte Ausländer erleichtern will, während der deutsche Arbeitsmarkt für normale Beschäftigte aus Polen oder Tschechien bis 2011 geschlossen bleiben solle. „Das schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb der EU“, sagte Knake-Werner. Berlin würde von einer Öffnung der Arbeitsmärkte nach Osten profitieren, solange ein gesetzlicher Mindestlohn Lohndumping unterbinde.