Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die 15 Staaten der Eurozone erhöht. Die Volkswirtschaften der Währungsunion würden im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,75 Prozent zulegen, heißt es in einem Papier, das der IWF für die Eurozone veröffentlichte. Noch im April hatte der Währungsfonds der Eurozone für 2008 lediglich ein Wachstum von 1,4 Prozent prognostiziert.


Die neue Vorhersage sei noch vorläufig, erklärte der stellvertretende Leiter der Europa-Abteilung des IWF, Alessandro Leipold, am Rande von Beratungen der Finanzminister der Euro-Staaten in Frankfurt. Endgültig werde sich der Währungsfonds in seiner Juli-Prognose zur weltweiten Wirtschaftslage festlegen. Klar sei aber: „Die wirtschaftliche Aktivität in der Eurozone hat sich als widerstandsfähiger erwiesen, als wir zunächst angenommen haben.“

Ärgste Folgen der Finanzmarktkrise stehen noch bevor

An ihrer pessimistischen Prognose von nur 1,25 Prozent Wachstum für das Jahr 2009 halten die IWF-Experten aber fest. Nach ihrer Einschätzung werden sich die Folgen „globaler Schocks“ wie der Finanzmarktkrise und der steigenden Inflation in den kommenden Monaten intensivieren.

„Die steigenden Rohstoff- und Lebensmittelpreise werden die Verbrauchernachfrage beeinträchtigen“, schreibt der IWF. Die Inflationsrate werde „in der näheren Zukunft“ wahrscheinlich oberhalb der Marke von drei Prozent bleiben.

Zudem drohe die US-Immobilienkrise auch in anderen Staaten die Bautätigkeit zu vermindern und das Vermögen der Privathaushalte zu schmälern. Auch die Verschärfung der Kreditbedingungen infolge der Finanzmarktkrise, die sich bislang noch nicht überall bemerkbar machten, „wird mit der Zeit erheblichen Druck ausüben“. Überdies schade der starke Euro der europäischen Exportwirtschaft.

Forderung nach starker Führung

Der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Montag in Frankfurt ihre Gründung vor zehn Jahren feierte, bescheinigte der IWF gute Arbeit. Insbesondere habe sie „zeitig und proaktiv“ auf die Finanzmarktturbulenzen reagiert und sich damit als „stabilisierender Faktor“ erwiesen.

Allerdings fehle der Währungsunion weiter eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. „Die Wirtschaftsunion bleibt eine Baustelle“, was unter anderem an den starken Wachstumsunterschieden zwischen den 15 Euro-Staaten deutlich werde, kritisierte der IWF. Ähnlich verhalte es sich mit der Haushaltspolitik.

Hinsichtlich der Finanzmarktaufsicht sei zwar die im April von den EU-Finanzministern vereinbarte Zusammenarbeit ein Fortschritt. Gefordert sei nun aber eine „starke politische Führung“, erklärte IWF-Experte Leipold mit Blick auf die Finanzminister der Euro-Staaten, die anlässlich des EZB-Jubiläums in Frankfurt tagten.

AP/ras