Trotz massiver Kritik von Gewerkschaften und Politikern wird die Europäische Zentralbank (EZB) heute voraussichtlich den Leitzins für den Euro-Raum anheben. Im Kampf gegen die Inflation hatte Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet bereits Anfang Juni mit ungewöhnlich deutlichen Worten eine Zinserhöhung signalisiert – es wäre der erste Schritt seit einem Jahr.


Nach Meinung von Experten wird der Leitzins um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent steigen. Damit würde die EZB ihren bisherigen Kurs fortsetzen. Wegen der Finanzmarktkrise hatte die Notenbank auf eine bereits im vergangenen Sommer geplante Erhöhung verzichtet.


Für die Verbraucher bedeuten steigende Leitzinsen eine höhere Verzinsung von Sparguthaben, Darlehen und Kredite dagegen werden teurer. Allerdings bremsen sie auch die Wirtschaft, die bereits jetzt infolge der weltwirtschaftlichen Abkühlung leidet.


Die Zentralbank setzt darauf, durch höhere Zinsen die zuletzt hohen Preissteigerungen für Öl und Lebensmittel einzudämmen. Auch Industrievertreter mahnten eine Zinserhöhung an, um die hohe Inflation in den Gruiff zu bekommen.


Zahlreiche Gewerkschafter und Politiker, allen voran Bundesfinanzminister Steinbrück, hatten in den vergangenen Tagen dagegen vor einer Leitzinserhöhung gewarnt. Sie befürchten, dass höhere Zinsen die Konjuntur noch stärker bremsen könnten. Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy mahnte die EZB im Vorfeld der Entscheidung zur Zurückhaltung und zum Blick auf das Wirtschaftswachstum.

Zuletzt hatte die EZB die Zinsen Anfang Juni vergangenen Jahres um 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent angehoben.

dpa/ddp/AP/ras