Online-Dienste

Löschen von Online-Konten ist oft schwierig

Netzwerke, Mail-Dienste oder Onlineshops: Viele Nutzer sind mit dem Löschen von Benutzerkonten überfordert. Problem haben vor allem ältere Menschen.

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Internetnutzer haben Probleme, im Netz eingerichtete Benutzerkonten wieder zu aufzulösen. Wie eine von der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin vorgestellte Studie zeigt, findet jeder Zweite erst nach längerem Suchen die Möglichkeit zum Löschen. Knapp ein Drittel bezeichnete den Löschvorgang als „kompliziert und undurchsichtig“. Mehr als 60 Prozent wissen nach eigenen Angaben nicht, ob ihre Daten tatsächlich vollständig entfernt wurden.

Die meisten Nutzer wollten sich laut Umfrage aus sozialen Netzwerken, Webmaildiensten oder Onlineshops abmelden. Knapp 60 Prozent hatten nach eigenen Angaben das Interesse an der Plattform verloren, die Hälfte sorgte sich um die Sicherheit ihrer Daten. Untersucht wurden 19 deutschsprachige Anbieter.

Nur bei sechs von ihnen war die Löschmöglichkeit demnach in den Kontoeinstellungen oder Profilinformationen vorhanden. Bei vier Anbietern war überhaupt keine Möglichkeit zum Löschen des Nutzerkontos zu finden.

Anbieter, die den Austritt aus ihrem Online-Angebot erschwerten, missachten das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, kritisierte Vorstand der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Er forderte die Bundesregierung auf, verbraucherfreundlichere Vorgaben zum Löschen von Benutzerkonten im Telemediengesetz zu verankern. Denkbar wäre ein schnell auffindbarer „Button“ auf der Startseite.

Zudem dürften Nutzer nicht gezwungen werden, Gründe für das Löschen anzugeben. Daneben müsse es vom Anbieter eine rechtswirksame Erklärung geben, dass persönliche Daten definitiv gelöscht worden seien.

Die Verbraucherschützer schließen sich damit einem Vorschlag des Bundesrats zur Novellierung des Telemediengesetzes vom März an. Die Bundesregierung habe mit Verweis auf anstehende EU-Regelungen abgelehnt, erklärte Billen. Dabei wäre es einfach, das Problem zunächst auf nationaler Ebene zu lösen und damit auf europäischer Ebene mit gutem Beispiel voranzugehen.

Die Bundesratsinitiative schlägt auch eine Verpflichtung sozialer Netzwerke zu maximalen Datenschutzeinstellungen vor. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat hierzu eine Online-Petition verfasst, die von knapp 12.000 Internetnutzern unterzeichnet wurde. Mittelfristig brauche es hierzu eine umfassende Regelung im Bundesdatenschutzgesetz, erklärte Billen.

Für die Umfrage hat das Forschungsinstitut ARIS mehr als 1000 Personen ab 14 Jahren befragt, die das Internet auch für private Zwecke nutzen. 83 Prozent von ihnen haben mindestens einen Online-Account. 37 Prozent davon haben bereits einmal versucht, diesen zu löschen.