Gang aufs Parkett

Facebooks nicht ganz freiwilliger Börsengang

Bislang konnte Mark Zuckerberg sein Netzwerk auf eigene Faust ausbauen. Jetzt bereitet Facebook angeblich einen Börsengang fürs kommende Frühjahr vor – allerdings nicht ganz freiwillig.

Mark Zuckerberg verhält sich nicht wie jemand, der auf materielle Dinge großen Wert legt. Zwar schlüpft er nun hin und wieder in ein Jackett. In den Anfangsjahren von Facebook trug er dagegen sogar bei Terminen mit Investoren Badeschlappen und Kapuzenpulli. Dass seine Anteile bei einem Börsengang im kommenden Jahr voraussichtlich 24 Milliarden Dollar wert sein werden, dürfte allenfalls sein Ego befriedigen.

Denn wenn er könnte, würde er diesen Tag vermutlich so weit hinauszögern wie möglich. Facebook kratzt an der Marke, ab der das Unternehmen ausführliche Angaben zu seinen Finanzdaten machen muss. Dazu sind Firmen in den USA verpflichtet, sobald sie 500 Anteilseigner haben.

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Investoren Facebook Geld im Gegenzug für ein Stück des äußerst begehrten Kuchens gegeben haben. Doch schon seit Jahresanfang wird darüber spekuliert, wann diese Grenze wohl erreicht sein wird. In dem Fall macht es Sinn, dass Facebook gleich den ganzen Schritt macht und sich an der Börse listen lässt.

Dann muss die Firma nämlich ihre Finanzen ohnehin offenlegen, hat aber den Vorteil, dass ein Geldregen von den Börsianern über ihr niedergeht. Das „Wall Street Journal“ will nun herausgefunden haben, dass Mark Zuckerberg das Unternehmen zwischen April und Juni kommenden Jahres an die Börse bringen will.

Dabei dürfte das soziale Netzwerk nach derzeitiger Schätzung zehn Milliarden Dollar einnehmen. Der Börsenwert von Facebook dürfte dann bei 100 Milliarden Dollar liegen. Dies wäre einer der größten Börsengänge aller Zeiten. Für dieses Wachstum hat das 2004 gegründete Unternehmen gerade einmal sieben Jahre gebraucht. Mit dem angepeilten Wert wäre Facebook immerhin halb so wertvoll wie die Supermarktkette Wal Mart, bei der täglich Millionen Kunden ihre Lebensmittel kaufen. Doch für viele Nutzer ist der Klick auf die Facebook-Seite längst zu einer dem Einkauf vergleichbaren Notwendigkeit geworden.

800 Millionen Menschen haben sich dort mittlerweile ein Profil angelegt. 500 Millionen melden sich sogar täglich an, um zu sehen, was ihre Freunde im Urlaub machen, wer sich gerade getrennt hat und welche Neuigkeiten es sonst gibt.

Dabei geht es nicht mehr nur um den reinen Austausch über die neuesten Begebenheiten. Facebook ist zu einer Plattform geworden, über die Nachrichten verschickt werden und wo sich die Nutzer gegenseitig Musik, Filme und Restaurants empfehlen. Dies bringt dem Unternehmen regelmäßig Kritik von Datenschützern ein. Sie beunruhigt, was Facebook mit den Daten macht. Firmen dagegen haben dort die Möglichkeit, über spezielle Software ihre Werbung so zu steuern, dass sie genau den richtigen Empfänger erreicht.

Mark Zuckerberg hält 24 Prozent der Anteile von Facebook. Von ihm ist bekannt, dass er das Geld am liebsten in die Weiterentwicklung des Produkts steckt. Dabei denkt er nicht kurzfristig, sondern in Zyklen von bis zu zehn Jahren.

Insgesamt war Facebook recht zurückhaltend darin, Werbung auf seiner Seite zu zulassen . Änderungen führte das Unternehmen stets eher behutsam ein, um keine Nutzer zu verprellen. Dies zeigte sich auch durch die Reaktion auf den jungen Konkurrenten Google+. Bei Google + können Nutzer ihre Freunde in sogenannte Kreise einteilen.

Facebook passte daraufhin seine Listen an, über die Nutzer ihre Freunde ordnen. Doch das war auch schon das größte Zugeständnis. Mit dieser Zurückhaltung könnte es nach einem Börsengang vorbei sein. Dann muss sich das Unternehmen gegenüber Aktionären rechtfertigen, die ein anderes Interesse haben als die derzeit beteiligten Investoren. Aktionäre erwarten schnelle Gewinne und könnten Facebook drängen, mehr Werbung auf die Seite zu stellen.

Dies könnte langfristig zu Lasten des Produkts gehen. Dass die Liebe in der Internetwelt nicht von Dauer ist, mussten schon mehrere Firmen leidvoll erfahren, etwa der Internetbrowser Netscape, früher der größte Microsoft-Rivale, heute bedeutungslos.

Auch der Aktienkurs von Groupon hat die Anleger enttäuscht. Der Online-Rabatt-Anbieter ging Anfang November an die Börse. Dieses Ereignis war mit großer Spannung erwartet worden. Anfangs schoss der Kurs um ein Drittel in die Höhe. Doch die Euphorie ist verflogen. Mit rund 15 Dollar ist eine Aktie nun deutlich weniger wert der Ausgabepreis von 20 Dollar am ersten Handelstag.