Soziales Netzwerk

Facebook plant größten US-Börsengang aller Zeiten

Facebook soll an die Börse - und wie: Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" plant das Unternehmen mit Börsengang-Einnahmen von bis zu zehn Milliarden Dollar. Das wäre fünfmal so viel wie Google 2004 von Investoren einsammelte.

Das soziale Netzwerk Facebook soll laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ im zweiten Quartal 2012 an die Börse gehen – und das soll der größte Börsengang aller Zeiten werden: Demnach gegen die Planungen bei Facebook dahin, mit dem Gang an die Börse zehn Milliarden Dollar bei Investoren einzusammeln. Der Marktwert des Unternehmens, das Ex-Student Mark Zuckerberg im Jahr 2004 gründete, könnte damit rund 100 Milliarden Dollar erreichen.

Zum Vergleich: Das wäre das etwa Dreifache des Wertes von General Motors und etwa zwei Drittel der Marktkapitalisierung von Google. Google hatte seinerzeit im August 2004 rund 1,9 Milliarden Dollar eingenommen. Den aktuellen Rekord stellte 2006 die Industrial and Commercial Bank of China mit 21,9 Milliarden Dollar auf.

Facebook muss Zahlen offenlegen

Das „Wall Street Journal“ berichtet unter Berufung auf informierte Personen, dass der Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC könne noch dieses Jahr gestellt werden könnte – doch habe Gründer Zuckerberg noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

100 Milliarden Dollar ist die Marke, über die schon seit einigen Monaten spekuliert wird. Facebook wäre damit zum Beispiel doppelt so viel wert wie aktuell der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard. Mit dem Volumen von 10 Milliarden Dollar wäre es der mit Abstand größte Börsengang eines IT-Unternehmens.

Facebook müsste vermutlich nach US-Vorschriften ohnehin ab April 2012 seine Geschäftszahlen offenlegen, da das Unternehmen in diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit die Marke von 500 Anteilseignern überschritten haben wird. Verzichtet Zuckerberg auf einen Börsengang, müsste er sich in die Bücher schauen lassen, ohne zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen. Deshalb wurde ein Börsengang in diesem Zeitraum schon lange erwartet. Jetzt hieß es, der wahrscheinliche Zeitrahmen liege „zwischen April und Juni“.

Zuckerberg verzögerte Börsengang

Zuckerberg, der die Kontrolle über sein Unternehmen nicht aus der Hand geben will, hatte einen Börsengang so lange wie möglich hinausgezögert. Jetzt „erwärme“ er sich für die Idee, berichtete die Zeitung. Das Unternehmen kommentiert die schon lange andauernden Gerüchte nicht.

Mit inzwischen rund 800 Millionen Nutzern ist Facebook die unangefochtene Nummer eins unter den Online-Netzwerken. Trotz Kritik von Datenschützern und Politikern am Umgang mit Nutzerinformationen wuchs das Netzwerk immer schneller. Der Umsatz dürfte zum Börsengang die Marke von vier Milliarden Dollar im Jahr erreichen, so das „Wall Street Journal“.

Das Geld wird mit Werbung erwirtschaftet: Dank der vielen Nutzerinformationen kann Facebook Unternehmen die Möglichkeit bieten, mit ihren Anzeigen gezielt bestimmte Gruppen und Schichten anzusprechen. Facebook betont, dass die Daten der Mitglieder nicht weitergegeben und nur anonym ausgewertet werden. Datenschützer kritisieren unter anderem die Menge an Informationen, die bei Facebook landet, sowie überraschende Regeländerungen, die von den Facebook-Anwendern nur bedingt nachvollzogen werden können.

Finanzchef lässt Banker abblitzen

Facebook habe sich noch keine Banken für den Börsengang ausgesucht, heißt es im „Wall Street Journal“. Mehr noch, Finanzchef David Ebersman habe den Investmentbankern bewusst die kalte Schulter gezeigt. Es sei unklar, was sie zum Erfolg der Aktienplatzierung beitragen könnte, da die Nachfrage nach den Anteilen ohnehin hoch sei, wird Ebersman zitiert.

Diese Aussage könnte allerdings auch nur Teil einer Verhandlungstaktik sein, um bessere Konditionen bei den Banken zu bekommen. Google hatte bei seinem Börsengang den üblichen Weg über die Banken weitgehend gemieden und die Aktien in einer komplexen Online-Auktion verteilt.

Mit seinem boomenden Geschäft und den stetig wachsenden Nutzerzahlen lebt Facebook in einer Art Sonderkonjunktur – denn allgemein ist das Klima für Börsengänge im Moment angesichts der schwachen US-Wirtschaft und der Turbulenzen in Europa nicht besonders gut.

Zudem demonstriert die Entwicklung um die Schnäppchen-Website Groupon gerade, wie auch ein als Triumph gefeierter Börsengang eines Internet-Unternehmens für viele Investoren zu einem miesen Geschäft werden kann. Die Aktie des Rabattgutschein-Spezialisten ist seit gut einer Woche auf Talfahrt. Am Montag verlor sie weitere neun Prozent auf 15,24 Dollar und notiert damit deutlich unter dem Ausgabepreis von 20 Dollar. Erst Anfang November war Groupon trotz aller vorherigen Zweifel am Geschäftsmodell mit einem Kurssprung von zeitweise 50 Prozent an der Börse gestartet.