Marketing-Genie

Rückschläge haben Steve Jobs nie stoppen können

Er wusste, was der Käufer wollte, bevor der Käufer wusste, dass er es wollte. Genialität und Erfolg ziehen sich durch das Leben von Steve Jobs – trotz Rückschlägen.

Von Ansgar Graw

Als die Welt im digitalen Zeitalter ohnehin auf die Überholspur ging, hat das Computer- und Marketing-Genie noch einmal aufs Gaspedal gedrückt.

Steve Jobs, der Hohepriester der funktionalen Eleganz , hat in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten den Medienkonsum zweier Generationen weltweit revolutioniert. Mit dem Apple, 1976 zusammen mit Ronald Wayne in ihrer gleichnamigen Garagenfirma im kalifornischen Palo Alto entwickelt, setzte er Akzente im Markt der Heimcomputer. Mit dem legendären Macintosh, dem „Mac“, versöhnte die Firma mit dem angebissenen Obst im Signet die nüchterne Programmiersprache der PCs mit der Grafik in der Bedieneroberfläche.

Das lästige Warten hat ein Ende

Es folgten das iPod, das komplette Musiksammlung auf Hosentaschengröße schrumpfen ließ, und das iPhone, durch dessen Touch-Screen der simple Vorgang des Telefonierens zur Fun-Veranstaltung geriet. Nur einen Tag vor dem Tod des Visionärs stellte Apple die Weiterentwicklung des Geräts, das iPhone 4S, vor. Die Krone der Schöpfungsgeschichte des Steve Jobs aber war das iPad, das den Computer endgültig zum Lean-Back-Medium machte: Ohne jedes lästige Warten auf das Hochfahren des Prozessors hat der Besucher den Zugriff auf ganze Bibliotheken an Büchern, Movies, CD und Live-TV, seinen E-Mail-Account und die tägliche Zeitung im Gesamtvolumen eines etwas fetteren DIN-A-5-Umschlags. Der Computer hat den Weg vom Schreibtisch auf den Liegestuhl geschafft.

Steve Jobs starb „friedlich und im Kreis seiner Angehörigen“, ließ seine Familie wissen. Der Computerunternehmer hat drei Kinder aus seiner 1991 geschlossenen Ehe mit Laurene Powell. Eine weitere Tochter, geboren 1978, entstammt einer früheren Beziehung.

„Die Welt hat einen Visionär verloren“, sagte US-Präsident Barack Obama wenige Stunden nach der Nachricht vom Tod des Steve Jobs. Dessen Bedeutung für die moderne Technologie werde dadurch deutlich, dass viele Menschen die Nachricht von seinem Ableben mutmaßlich über ein Gerät erhielten, das aus der Ingenieurs- und Design-Schmiede des Träumerealisierers aus San Francisco erhielten.

Dass Steve Jobs nicht mehr lange leben würde, war nicht erst seit dem August zu ahnen, als er den Vorstandsposten als CEO von Apple an Tim Cook abgab. Im Januar hatte er sich wegen seiner Krebserkrankung bereits eine Auszeit genommen.

"Eure Zeit ist begrenzt"

Mitte 2004 war die Krankheit erstmals diagnostiziert worden. Seine Frau Laurene beobachtete, dass ein Arzt weinte, als er eine Zellprobe von Jobs untersuchte. Der Krebstyp galt als besonders gefährlich, die Mediziner stellten ihm ein Überleben um nur wenige Monate in Aussicht.

Doch 2005 hielt Jobs eine bewegende Rede, in der er den Absolventen einer Universität erzählte, er habe die Behandlung überstanden und nun gehe es ihm gut. „Niemand will sterben. Nicht mal Leute, die in den Himmel wollen, wollen dafür sterben“, sagte er den Studenten. „Eure Zeit ist begrenzt. Darum verschwendet sie nicht.“ Als wichtigsten Rat gab er den jungen Leuten mit auf den Weg: „Habt den Mut, eurer eigenen Intuition zu folgen.“

Mit 21 Apple gegründet

Der Weg, den Jobs zunächst ging, war verschlungen. Seine Mutter, eine amerikanische Studentin, die später Logopädin wurde, und sein Vater, ein syrischer Muslim, später Professor für Politikwissenschaft, gaben ihn gleich nach der Geburt zur Adoption frei, da sie sich nicht in der Lage sahen, ein Kind aufzuziehen. Steve, geboren in San Francisco, wuchs bei Adoptiveltern im kalifornischen Mountain View auf. Er schien als junger Mann ein eher unstetes Leben anzusteuern. Er brach ein Studium nach nur einem Jahr ab, reiste nach Indien, trieb sich in Kreisen der Hare-Krishna-Sekte herum und begann für Computerfirmen zu jobben. Dann aber, mit nur 21 Jahren, hob er Apple aus der Taufe.

Der listige Jobs

Im mitmenschlichen Umgang war der temperamentvolle Jobs, so bestätigen es enge Freunde, ein komplizierter Typ. Anekdotisch, aber gleichwohl aussagekräftig ist die Geschichte, als der fintenreiche Jobs 1974 den Computer-Wissenschaftler Steve Wozniak dafür gewann, ein Spielprogramm für Atari zu entwickeln. Sie würden das Honorar teilen, sagte Jobs, und gab Wozniak später 350 Dollar – dass er nicht 700, sondern 5000 Dollar vom Auftraggeber bekommen hatte, erfuhr „Woz“, wie der heute 61-Jährige genannt wird, erst später. Gleichwohl führte die Trickserei nicht zum persönlichen Bruch der beiden Pfadfinder auf der Datenautobahn. Wozniak gründete Apple mit, und er hält bis heute Anteile an dem kalifornischen Weltkonzern.

Ohne Jobs kein "Toy Story"

1985, neun Jahre nach der Gründung von Apple, verlor Steve Jobs in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten einen Machtkampf mit dem vormaligen Pepsi-Manager John Sculley im Apple-Vorstand. Jobs verließ das Unternehmen und gründete die Computerfirma NeXT.Inc. Zudem kaufte er The Graphics Group, ein Studio für animierte Filme, benannte es in Pixar um und setzte damit Akzente im Zeichentrickfilm. Die „Toy Story“ gehört zu den legendären Produktionen von Pixar. Als das erfolgreiche Studio von der Walt Disney Company aufgekauft wurde, bekam Jobs 2006 einen Sitz im Board of Directors des Entertainment-Imperiums.

Das Talent, Menschen zu motivieren

Seit 1997 und der Übernahme von NeXT durch Apple war Jobs wieder CEO des von ihm mitbegründeten Technologieriesen. Zuerst arbeitete er als „Interims-CEO“ für ein Jahresgehalt von einem Dollar – daneben erhielt er allerdings zahlreiche Zuwendungen wie Apple-Aktien und einen eigenen Jet. Ab 1998 war er wieder offiziell Apple-Chef. Er kündigte an, das Unternehmen zu verschlanken und nicht profitable Projekte aufzugeben. Gerüchte machten die Runde, wer Jobs im Aufzug in der Firmenzentrale treffe, könne von ihm im nächsten Moment gefeuert werden.

Mit einem Vermögen von 8,3 Milliarden Dollar war Steve Jobs im vorigen Jahr laut Forbes der 42-reichste US-Bürger. „Die Zusammenarbeit mit ihm brachte wirklich Freude“, schrieb Bill Gates einmal über ihn. „Steve hat eine bewundernswerte Intuition für Entwicklung und Design, und seine Fähigkeit, Menschen zu motivieren, ist Weltklasse.“