Testbericht

Star Trek fasziniert auch als Online-Rollenspiel

Als Mitglied der Föderation oder als Klingone können Spieler in "Star Trek Online" jetzt ins All ziehen. Das Rollenspiel ist zeitlich nach dem letzten Film von Captain Picards Crew angesiedelt. Überall trifft man auf Anekdoten aus dem Star-Trek-Universum. Zum Start des Online-Titels gibt es noch einige Schwächen, das Potenzial ist aber groß.

Seit 1966, als Captain James Tiberius Kirk erstmals die Befehlsgewalt auf der Brücke der Enterprise übernahm, hat die Marke „Star Trek“ viele Höhen und Tiefen erlebt. Als zu teuer und kopflastig nach drei Staffeln abgesetzt, wurde die TV-Serie in Wiederholungen immer populärer, bis schließlich 1979 ihre Kinokarriere begann. Die bisher letzte TV-Serie „Enterprise“ verlor dagegen in den 90er-Jahren viele Fans. Nun folgt nach der furiosen „Star Trek“-Wiederbelebung im Kino ein kostenpflichtiges Online-Spiel (15,45 Euro pro Monat). Sind die Weltraum-Welten tatsächlich unendlich?

Sofort in die Vollen

Als junger Fähnrich konfrontiert das Spiel Sie gleich in Ihrer ersten Mission mit dem wohl tödlichsten Gegner: den Borg. Die Kollektivwesen überfallen Föderationsgebiet – und Sie müssen fast im Alleingang dafür sorgen, dass der Feind geschlagen wird. Zur Belohnung für so viel Einsatz gibt man Ihnen das Kommando über ein eigenes Schiff. Mit dem durchstreifen Sie nach Belieben die Galaxie und nehmen Aufträge vom Sternenflotten-Kommando entgegen.

Diese Missionen ziehen meist unweigerlich einen Kampfeinsatz nach sich. Und davon gibt es – das ist bislang in Online-Spielen sehr selten – nicht nur eine Art: Hier toben sowohl Raumschlachten, in denen Sie das Schiff steuern, als auch Scharmützel auf Planeten, wo Sie mit Ihrem Außenteam Gefechte gegen Klingonen, Borg und andere Feinde austragen.

Die Kämpfe im All sind absolut gelungen und machen eine Menge Spaß. Wer dabei nicht mit Köpfchen agiert und im rechten Moment die Spezialfähigkeiten seiner Brückenoffiziere nutzt, hat in den Schlachten keine Chance. Die Kriegseinsätze Ihrer U.S.S. (den Namen dürfen Sie vergeben) gegen romulanische Warbirds oder klingo­nische Birds of Prey stehen dann auch im Zentrum des Spiels.

Die Kämpfe am Boden halten da nicht mit: Vor unspektakulärer Kulisse beschießen sich zwei Gruppen – und Ihre gewinnt. Zumindest, wenn Sie von Zeit zu Zeit einen Feuerbefehl geben. Das ist viel zu leicht, unausgewogen – und macht nicht wirklich Freude.

Karriereleiter zu flach

Das Ziel Ihre Karriere ist der Rang eines Admirals der Föderation. Es gibt fünf Ränge mit je zehn, also insgesamt 50 Stufen. Im Vergleich mit anderen Rollenspie­len, die sich auf einen Helden spezialisieren, sind in „Star Trek Online“ auch Ihr Schiff und Ihre Crew wichtig. Sie bilden Brückenoffiziere aus, verbessern die Ausrüstung Ihres Kreuzers oder bauen die Bodenkampf- und Raumschlacht-Talente aus. Sonderlich große Auswirkungen auf das Spiel haben diese Steigerungen nicht. Ein Leutnant der Klasse 3 und ein Leutnant der Klasse 4 spielen so ziemlich auf einem Level. Auch in dieser Hinsicht wirkt das Spiel noch nicht ausgereift.

Schnell Freunde finden

Spielpartner zu finden, war in einem Online-Spiel noch nie so leicht: Wenn Sie in ein System fliegen, in dem sich Schiffe Ihrer Fraktion aufhalten, bilden alle automatisch eine Gruppe. Wenn Sie lieber allein spielen, verlassen Sie den Verbund wieder. Der Vorteil eines Teams: Gemeinsam gewinnen Sie auch heftige Raumschlachten, bei denen Sie im Alleingang keine Chance haben. Ist der Job erledigt, trennt man sich wieder – oder verabredet per Chat das weitere gemeinsame Vorgehen.

Fans haben mehr Spaß

Das Spiel ist eine einzige Verbeugung vor der legendären Serie. Die Handlung ist im Jahr 2409 angesiedelt, also 30 Jahre nach „Star Trek Nemesis“, dem bislang letzten Kino-Abenteuer von Captain Picards Crew. Und überall treffen Sie auf Spuren vergangener Ereignisse und Personen. So haben Sie gleich zu Beginn mit einem Admiral Sulu zu tun, der gewiss ein Urenkel von Hikaru Sulu ist, einst Offizier an Bord von Kirks Enterprise.

TV- und Kino-Historie finden Sie an jeder Ecke. Fans des Roddenberry-Universums haben mehr Spaß als Online-Rollenspieler ohne Bezug zu den Serien und Filmen. Mit Leonard Nimoy und Zachary Quinto (beide Mister Spock) sprechen zwei beliebte Schauspieler der Reihe die Tutorials (auf Englisch).

Fazit: Während Trekkies wenigstens in Nostalgie schwelgen und berühmte Orte der Serien besuchen, wird Neulingen auf den Spuren von Kirk & Co. noch zu wenig geboten. Allerdings werden Online-Rollenspiele ständig verbessert, sodass der „Star Trek“ noch richtig Fahrt aufnehmen kann. Das Potenzial ist da.

Vorteile:

- Viel „Star Trek“ drin

- Schnelle Teambildung

- Optisch sehr gelungenes All

Nachteile:

- Bodenkämpfe langweilig

- Kaum Abwechslung im Spiel

- Neue Stufen bringen wenig

Testergebnis: gut

Testnote: 2,42

Preisurteil: günstig

Marktpreis laut Hersteller: 49,95 Euro + 38,07 Euro für 3 Monate

Erscheinungstermin „Star Trek Online“: 2. Februar 2010 für PC.

www.startrekonline.com

Mehr zum Thema:

Interview: Star Trek Online

Quelle: Computer Bild.

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