Der Internet-Telefonie-Dienst Skype rechnet schon bald damit, weitere Mobilfunknetzbetreiber für sich zu gewinnen. Das sagte der Skype-Chef der Mobilsparte, Russ Shaw, im Gespräch mit Morgenpost Online ONLINE. Bislang hatten sich die meisten Mobilfunkanbieter gegen Skype gestemmt. Ihre Befürchtung: Wenn Skype-Nutzer mit einer Handy-Datenflatrate über das Mobilfunknetz telefonieren, entgehen den Netzbetreibern die Einnahmen aus der Sprachtelefonie.
Grund für die neue Zuversicht bei Skype ist eine Kooperation mit Verizon Wireless, die der Konzern in dieser Woche auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona verkündet hatte. „Verizon könnte für uns ein Türöffner sein“, sagte Shaw. In Deutschland verbieten E-Plus, Vodafone und T-Mobile die freie Nutzung des Internet-Telefonie-Dienstes oder wollen dafür eine zusätzliche Monatsgebühr von ihren Kunden.
T-Mobile begründet seine restriktive Haltung mit zusätzlichen Kosten zur Aufrüstung des Netzes. „Das ist natürlich eine Ausrede“, sagte Shaw. Ein Skype-Telefonat belaste das Netz etwa so sehr wie die Übertragung einer Webseite. Skype arbeitet schon länger eng mit dem Netzbetreiber „3“ zusammen, der zu Hutchison Whampoa gehört. In Großbritannien bietet der Mobilfunker ein Skype-Phone an.
In den USA wird Skype im Frühjahr auf den ersten Smartphones bei Verizon Wireless vorinstalliert sein, bis Ende des Jahres sollen alle Smartphones des größten amerikanischen Netzbetreibers über Skype telefonieren können. Skype bietet sein Programm auch für das iPhone an. Damit lassen sich derzeit jedoch nur Telefonate über das drahtlose Wlan-Netz aufbauen. Eine Software, die Internet-Gespräche auch über das Mobilfunknetz zulässt, kommt in den nächsten Wochen. Bis vor kurzem hatte Apple dies auf seinem Gerät verboten.
Für Skype ist Verizon derzeit der größte Partner. Das Unternehmen hat in den USA 90 Millionen Mobilfunknutzer, Skype zählt etwa 580 Millionen registrierte Nutzer. Finanzielle Details über die Kooperation wollte Skype nicht nennen. Experten erwarten weitere Verträge mit Mobilfunkunternehmen. „Die Netzbetreiber, die ernsthafte Mitspieler im mobilen Internet sein wollen, müssen sich öffnen und Internet-Dienste auf ihre Handys lassen“, sagte Dario Talmesio, Analyst beim Marktforschungsinstitut Informa Telecoms & Media.
„Dazu gehört auch Internet-Telefonie.“ Regulierungsbehörden stärken Skype im Kampf gegen widerstrebende Netzbetreiber den Rücken. So hat sich die amerikanische Behörde FCC zur Netzneutralität bekannt. Auch die Europäische Kommission tendiert dazu, die Netze für alle Internetdienste offen zu halten.
Skype weitet seinen Dienst stetig auf neue Geräte aus und will nun auch internetfähige Fernseher ausrüsten. Schon heute sei fast jedes dritte Skype-Gespräch ein Video-Telefonat, sagte Shaw. Zwölf Prozent aller grenzüberschreitenden Telefonate würden derzeit über Skype geführt. Skype wurde 2003 von Niklas Zennström und Janus Friis gegründet und zwei Jahre später für 2,6 Mrd. Euro an Ebay verkauft. Erst vor wenigen Wochen kaufte ein Konsortium um die Gründer einen Großteil des Unternehmens für knapp zwei Mrd. Dollar wieder zurück, den Rest hält Ebay. Der Umsatz liegt bei über 600 Mio. Dollar.
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