Niemand darf Microsoft vorwerfen, es hätte sich nicht angestrengt. Der Konzern war sich immer der strategischen Bedeutung seines mobilen Betriebssystems bewusst. Und es war von jeher Chefsache. So ist die größte Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona inzwischen eine feste Größe im Terminkalender von Steve Ballmer. Ohne Unterlass treibt er seine Entwickler an, damit der Software-Riese auch im Mobilfunkmarkt eine gewichtige Rolle spielt.

Offenbar mit wenig Erfolg. Der Anteil am boomenden Smartphone-Markt ist im freien Fall. Gegen Nokia, Apple, Google und den Blackberry-Hersteller Research in Motion hat Ballmer wenig auszurichten. Vielen sind die Multimedia-Handys von Microsoft noch als Mobiltelefone in Erinnerung, die umständlich mit einem kleinen Plastikstift zu bedienen sind. Nur technisch versierte Nutzer sind damit klargekommen.

Auch wenn Beobachter auf den langen Atem und die vollen Kassen des Unternehmens verweisen und davor warnen, den Konzern zu früh aufzugeben, wird nun deutlich: Im Mobilfunkmarkt steht Microsoft an einem strategischen Wegpunkt. Mit großer Wucht wandeln sich die mobilen Telefone zu Multimedia-Geräten, die ständig mit dem Internet verbunden sind. Schon in wenigen Jahren werden die meisten Handys solche Smartphones sein. Dann werden mehr Menschen mobil das weltweite Datennetz nutzen als mit ihrem Computer.

Gefragt sind Multimedia-Geräte mit Internetverbindung

Auch wenn Microsoft derzeit noch gutes Geld mit seinem Computer-Betriebssystem Windows verdient, in Zukunft liegt das Wachstum dort nicht mehr. Deswegen ist es so gravierend, dass Ballmer mit Windows Mobile so früh den Anschluss verloren hat. Er muss nun seine Hoffnung auf Windows Mobile 7 setzen. Doch der Neustart kommt spät. Die ersten Geräte sollen zum Weihnachtsgeschäft in die Läden kommen. Viel Zeit für die Konkurrenten, weiter Microsofts Marktanteilen zu knabbern. Der Verweis auf das erfolgreiche PC-Betriebssystem Windows 7 zählt in der Mobilfunkwelt nicht. Microsoft ist auf den Schreibtischen ein dominanter Anbieter – bei den Handys sieht das anders aus. Vielleicht bleibt Ballmer am Ende nur eines übrig: einen erfolgreichen Wettbewerber zu kaufen.