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Mein Leben mit dem neuen iPad

Am Freitag kommt der Tablet-Computer von Apple in die deutschen Läden. Morgenpost-Online-Redakteur Thomas Heuzeroth nennt das gute Stück schon seit mehreren Wochen sein Eigen. Nach exakt 46 Tagen mit dem Gerät weiß er, was es alles kann – und woran das iPad scheitert. Erkenntnisse eines Langzeittests.

Foto: Amin Akhtar

Es entspricht nicht unseren Grundsätzen, Morgenpost Online-Leser an einem Experiment teilnehmen zu lassen, ohne es ihnen vorher mitzuteilen. Deshalb stellen wir diese Warnung den folgenden Ausführungen voran: Sie lesen hier den ersten Artikel dieser Zeitung, der vollständig auf einem iPad geschrieben wurde! Das iPad ist ein sehr flacher und leichter Computer der Firma Apple, dem allerdings seine Tastatur abhanden gekommen ist. Er wird ausschließlich über seinen berührungsempfindlichen Bildschirm bedient, auf dem sich eine virtuelle Tastatur einblenden lässt.

Ist das ein ebenbürtiger Ersatz für eine normale Tastatur? Unser Text-Korrektorat bestreitet das nach einem kurzen Testlauf und begründet sein Urteil etwas missmutig mit dem „enormen Mehraufwand“, der ihm durch dieses Experiment entsteht.

Zuma aabeweis haben dir Jottekgurlrsrt diesem Satz Ähre Dienxg,leRisteng versagt (Zum Beweis haben die Korrekturleser diesem Satz ihre Dienstleistung versagt).

Wir stellen also fest: Das iPad eignet sich nicht zum schnellen Tippen mit zehn Fingern. Daher beschränke ich mich nun auf die Zeigefinger. Seit 46 Tagen befindet es sich – ein amerikanisches Import-Gerät – in meinem Besitz. Ich sage: Es hat mein Leben nicht verändert. Freunde und Familie behaupten allerdings etwas anderes. Sie meinen, in den vergangenen 46 Tagen hätte ich mich ganz offensichtlich in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben.

Zeitungen werden magisch

Ich habe mich inzwischen sehr daran gewöhnt, meine Zeitungslektüre auf dem iPad zu erledigen. Bei deutschen Titeln beschränkte sich dies bislang auf die E-Paper-Ausgaben, die das Layout der gedruckten Zeitungen wiedergeben. Die „New York Times“, das „Wall Street Journal“ und die „Financial Times“ sind bereits weiter und aktualisieren ihre Ausgaben auch tagsüber kontinuierlich. Mit einem Fingerwisch gelangt man von einem Artikel zum nächsten und wechselt zwischen den Ressorts. Zieht man zwei Finger auf dem Bildschirm auseinander, vergrößert sich die Schrift. Auch die Morgenpost Online hat eine solche Anwendung entwickelt.

Als Apple-Chef Steve Jobs das iPad im Januar in San Francisco vorstellte, sprach er von einem magischen Gerät. Nun ist Jobs zwar für seine Übertreibungen bekannt. Doch die Zeitungen auf dem iPad bewegen sich tatsächlich auf wundersame Weise, häufig sind an Stelle von Bildern Videos eingefügt. Mich erinnert das immer wieder an den „Tagespropheten“ aus Harry Potters Zauberwelt, dessen Fotos sich auch auf magische Art bewegen. Das wird zwar Jobs nicht gemeint haben. Doch in jedem Fall erspart das iPad seinem Benutzer das Abwaschen der Druckerschwärze von den Händen.

In der Sonne unbrauchbar

Mich hat das Lesen am iPad keinesfalls ermüdet. Zumindest war das Gerät nie der Grund dafür. Der Bildschirm stellt alles gestochen scharf dar und liefert brillante Farben, was besonders für die Darstellung von Fotos hervorragend ist. An die Fingerabdrücke auf dem Display hat man sich schnell gewöhnt, schließlich ist das iPad ein Gebrauchsgegenstand. Das alles gilt jedoch nur für die Nutzung in Räumen oder bei bewölktem Himmel. Im Sonnenlicht ist das iPad nicht zu gebrauchen, weil auf dem Display dann nichts mehr zu erkennen ist. Nachdem ich mir im Freien auch noch eine Sonnenbrille aufgesetzt hatte, dachte ich sogar, die Batterie hätte mich im Stich gelassen.

Lange Ausdauer

Das ist jedoch unwahrscheinlich. Denn sie hält in jedem Fall mehr als neun Stunden Dauergebrauch aus. Bei meinem Interkontinentalflug an die Westküste der USA hatte ich vom Start bis zur Landung die Neider an meiner Seite. Die lange Laufzeit gilt sowohl für das Ansehen von Filmen als auch für das Betrachten von Internetseiten. Vor allem das Websurfen macht auf dem iPad mehr Spaß als mit dem Computer, auch wenn die Seiten mit Flash nicht richtig dargestellt werden. Es ist auch auf Knopfdruck sofort einsatzbereit und muss nicht lange hochgefahren werden. Das hat mich bei Computern schon immer geärgert. Allerdings verleitet das iPad auch zum Multitasking, das es selbst noch gar nicht beherrscht. Beim Fernsehen sollte es nicht in der Nähe liegen. Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich plötzlich im Internet unterwegs war, obwohl der Fernseher lief. Das fordert viel familiäre Toleranz ein. Es sei denn, man hat um des Friedens willen gleich mehrere iPads, was eher selten der Fall sein dürfte.


Auch wenn am Anfang sicherlich erst einmal Technikbegeisterte zum Apple-Tablet greifen werden: Es ist tatsächlich ein Gerät, an das sich viele sehr leicht gewöhnen können. Vor allem, weil es so einfach zu bedienen ist. Meine sechsjährige Tochter trotzt mir immer häufiger das iPad ab, um darauf Kugeln in einem Labyrinth an Hindernissen vorbei zu balancieren. Vorausgesetzt ihre kleine Schwester macht sich nicht gerade an digitalen Ausmalbildern zu schaffen. Mein Favorit sind Autorennspiele: Weil das Gerät mit einem Neigungssensor ausgestattet ist, kann man die Wagen so steuern, als hätte man ein Lenkrad in der Hand.

Täglich neue Funktionen

Wer bereits das iPhone nutzt, muss sich im Grunde nicht umstellen. Auch das iPad lässt sich mit neuen Programmen aus dem AppStore von Apple bestücken. Sie sind allerdings noch längst nicht so zahlreich, derzeit gibt es weniger als 8000, und sie sind meist etwas teurer als für das iPhone. Dafür kommen täglich neue hinzu. Den deutschen AppStore für das iPad konnte ich nicht testen, weil er erst in diesen Tagen freigeschaltet wird. Einige Programme für das iPhone und das iPad müssen nur einmal gekauft werden und lassen sich dann auf beiden Geräten nutzen. In den meisten Fällen langen die Entwickler aber doppelt zu.

Kein Notebook-Ersatz

Anfänglich plante ich, das iPad auf dem Wohnzimmertisch liegen zu lassen. Dieser Vorsatz hatte sich nach zwei Tagen aber überlebt. Wenn ich das Haus mit Gepäck verlasse, ist das iPad immer dabei. Genauso wie das Handy und das Notebook, das für das Schreiben unter Zeitdruck geeigneter ist. Damit wird schnell klar: Das iPad ersetzt unglücklicherweise kein anderes Gerät. Das ist gut für Apple, aber schlecht für das eigene Budget.

Unterwegs ist das iPad derzeit noch ein Exot, was seine Benutzung im Flugzeug, Bus oder Bahn eher anstrengend macht. Mich haben immer wieder Sitznachbarn und Vorbeischlenderer darauf angesprochen und haufenweise Fragen gestellt. Meine erste Digitalkamera und mein iPhone haben aber gezeigt, dass sich dieses Verhalten schnell legen wird.

Mobil mit Mini-Router

Da mein iPad kein Mobilfunkempfang hat, sondern Daten nur über Wlan empfängt, war es anfangs unterwegs nur bedingt zu benutzen. Das änderte sich aber, nachdem ich mir ein Mobilfunk-Wlan-Router – einen Mifi – zugelegt hatte. Das Mifi ist so groß wie zwei Daumen und hat eine Batterie für bis zu vier Stunden Betrieb eingebaut. Nun muss man dort nur noch eine Handy-Karte einlegen und schon können fünf Wlan-Geräte eine Internet-Verbindung darüber aufbauen. Das ist sehr praktisch, um mit dem iPad unterwegs E-Mails abzurufen, wo kein öffentlicher Internet-Hotspot ist. Inzwischen kann Apple aber auch iPads mit eingebautem Mobilfunkempfang liefern, womit sich der Mini-Router erübrigt.

Das iPad hat übrigens auch einen iPod eingebaut, es kann also Musik abspielen. Ich bin erst gar nicht in die Versuchung gekommen, weil mein Handy längst über diese Funktion verfügt. Um das iPad mal eben in der Jackentasche zu verstauen, ist es sowieso zu groß.

Abgesehen von der Beschränkung auf die Zeigefinger hat das Schreiben auf dem iPad einen großen Vorteil. Der Text muss nicht zwischengespeichert werden. Apple hält diese Funktion für überflüssig. Das Speichern erfolgt nach jedem Buchstaben automatisch. Das hätte mir früher bei den Computerabstürzen kurz vor Redaktionsschluss viel Ärger erspart.