Wie gefährlich multiresistente Krankenhauskeime sein können, hat der Tod von Säuglingen auf der Frühgeborenenstation des Klinikums Bremen-Mitte gezeigt. Die Frühchen waren an schweren Infektionen mit Darmkeimen gestorben, gegen die kein Antibiotikum mehr half. Genau dieser Keim wurde nun erstmals auch in Berlin festgestellt. Das geht aus der Antwort der Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor.
Seit im Juli vergangenen Jahres das Infektionsschutzgesetz geändert wurde, ist das Auftreten resistenter Keime meldepflichtig, wenn davon mehrere Patienten betroffen sind. Seit der Einführung der Meldepflicht wurden in Berlin zehn Fälle registriert, bei denen jeweils drei bis acht Patienten von antibiotikaresistenten Keimen betroffen waren.
Bei einem der gemeldeten Ausbrüche, so die Senatorin weiter, habe es sich „nach gegenwärtigem Kenntnisstand“ um einen Keim gehandelt, der dem bei den Zwischenfällen im Klinikum Bremen-Mitte nachgewiesenen Keim vergleichbar war. In welchem der Berliner Krankenhäuser dieser Keim sowie die anderen Infektionen festgestellt wurden, teilt die Staatssekretärin jedoch nicht mit.
Kliniken werden nicht genannt
Die Gesundheitsämter leiten die Daten zwar an das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LaGeSo) und das Robert-Koch-Institut weiter – jedoch ohne Nennung der Namen der betroffenen Patienten und Krankenhäuser, in denen sie behandelt wurden. Der Grünen-Abgeordnete Heiko Thomas begrüßt deshalb zwar die Einführung der Meldepflicht, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf.
„Der Versuch, Hysterie unter den Patienten zu vermeiden, indem man betroffene Krankenhäuser nicht benennt, ist zwar nachvollziehbar“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, „jedoch kann es nicht sein, dass nicht einmal Landesbehörden und die Abgeordneten vernünftig informiert werden“. Letztere könnten ja zur Vertraulichkeit verpflichtet werden.
„Wenn aber überhaupt nicht transparent gemacht wird, welche Krankenhäuser betroffen sind, kann auch nicht sichergestellt werden, dass dort die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden“, so Thomas weiter. Er fordert zudem, dass jedes Berliner Krankenhaus einen Hygienebeauftragten abstellt. „Gerade in den kleinen Krankenhäusern wird diese Aufgabe meist nur nebenher erledigt“, so Thomas.
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schätzt, dass sich rund 600000 Deutsche pro Jahr während eines Krankenhausaufenthaltes über Keime eine Infektion zuziehen, rund 15000 sterben an den Folgen. Durch eine Verbesserung der Hygiene, so schätzen Experten, könnten 20 bis 30 Prozent der Infektionen an Krankenhäusern verhindert werden.



