Die EU-Grenzwerte für Blei und Cadmium in Kinderspielsachen müssen nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) dringend verschärft werden. „In Deutschland wird immer wieder Spielzeug entdeckt, dessen Farbe oder Lack diese beiden Schwermetalle enthält“, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Das BfR fordert zudem, auf Verpackungen für Nüsse davor zu warnen, dass sie in die Atemwege von Kindern gelangen können.

Durch Blei seien Säuglinge und Kleinkinder besonderen Risiken ausgesetzt, sagte Hensel. „Denn ihre Gehirne befinden sich in einer empfindlichen Entwicklungsphase. Selbst niedrige Dosen von Blei können die Aufmerksamkeit und die Intelligenzleistung beeinträchtigen und letztlich die Entwicklung der Kinder verlangsamen.“

Cadmium sammele sich in den Nieren, beeinträchtige die Nierenfunktion und wirke ab einer gewissen Schwelle nierenschädigend. „Es kann aber auch Krebs auslösen“, sagte der BfR-Chef. „Wir sagen, dass Kinder besonders schutzwürdig sind. Und wir wollen nicht, dass sie zusätzlich zu dem Cadmium, das sie über die Nahrung aufnehmen müssen, noch welches über Spielzeug aufnehmen.“

Der BfR-Chef betonte, er setze auf eine Verschärfung der Spielzeug-Richtlinie durch die EU-Kommission: „Die EU hat einen ständigen Ausschuss für die Sicherheit von Spielzeug gegründet. Und in diesem Gremium soll ab Januar über eine Verschärfung der Richtlinie beraten werden.“ Bei Kinderspielzeug solle nicht mehr danach gefragt werden, was für die Wirtschaft gut sei: „Denn Blei und Cadmium sind definitiv Stoffe, die man vermeiden kann.“

Zur Warnung vor dem Risiko durch Nüsse sieht sich das Bundesinstitut aufgrund neuerer Zahlen veranlasst. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Pneumonologie gab es von 2004 bis 2005 an sechs Kliniken 98 Kinder mit Fremdkörper-Aspirationen. In mehr als der Hälfte der Fälle (50) hatten Kinder eine ganze Nuss oder Teile davon verschluckt. In 29 dieser Fälle handelte es sich um Erdnüsse, in 16 um andere Nahrungsbestandteile wie Karottenstückchen, in 10 um Spielzeugteile. Die sogenannten Aspirationsunfälle können zu schweren Gesundheitsschäden oder in seltenen Fällen zum Erstickungstod führen.

Für Spielzeug mit Kleinteilen besteht eine Kennzeichnungspflicht mit Warnhinweisen, für Nüsse jedoch nicht. Die Risiko-Experten raten dazu, Nüsse, insbesondere Erdnüsse, nicht in die Reichweite von jüngeren Kindern zu stellen. Kinder sollten Nüsse ausschließlich in ruhigen Essenssituationen unter Aufsicht von Erwachsenen verzehren. Sollte dennoch ein Nussteil in die Atemwege gelangen und anhaltender Husten oder Atemprobleme entstehen, wäre der Notarzt zu rufen.

AP