Ob Plüschtier, Puppe oder Holzeisenbahn: In fast allen Spielzeugen für unter Dreijährige, die die Stiftung Warentest in ihrer neuen Testreihe unter die Lupe nahm, fanden die Prüfer Giftstoffe. Zudem weisen viele Spielzeuge Sicherheitsmängel auf. Auch auf Qualitätsmarken und Prüfsiegel ist kaum Verlass, so das aufrüttelnde Ergebnis des Tests. Denn Richtlinien werden von vielen Herstellern nicht eingehalten - oder die Stiftung Warentest hält sie für nicht ausreichend.

Auch Markenprodukte versagen

Der Test umfasste vier Spielzeugarten, insgesamt 50 Modelle wurden auf Schadstoffe und Sicherheitsmängel geprüft: 15 Plüschtiere, 15 Holzspielzeuge, zehn Plastikspielzeuge und zehn Babypuppen. Das Ergebnis: 80 Prozent der Spielzeuge waren mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet. Sieben Produkte erfüllten nicht einmal ansatzweise die gesetzlichen Vorgaben und hätten so gar nicht verkauft werden dürfen. Laut gängiger Norm muss ein Spielzeug reiß- und biegefest sein, darf keine Schwermetalle abgeben und beim Fallen nicht zersplittern. Diese Anforderungen hätten jedoch selbst Markenwaren wie Brio, Eichhorn, Fisher Price, Selecta, Sigikid und Steiff nicht erfüllt.

So ist der Teddybär Victor der Firma Steiff stark mit PAK belastet, ebenso wie der Plüschhund Gosig Golden von Ikea. Einige der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz: PAK, gelten als krebserzeugend, fruchtschädigend und erbgutverändernd. Insgesamt wiesen die Prüfer PAK in 34 Spielsachen nach, darunter in fast allen Plüschtieren und elf Holzspielzeugen.

Empfohlen werden hingegen Stoffpuppen, sie sind meist gering oder gar nicht belastet. Die Curly-Girly-Puppe von Sigikid ist so ein Beispiel. Die anderen neun getesteten Babypuppen - darunter die Götz Baby Pure und die My little Baby Born von Zapf - enthielten jedoch sämtlich gesundheitsgefährdende Stoffe. Einen gravierenden Sicherheitsmangel zeigte der Red Friends-Plüschaffe von Sigikid, einer Marke, die mit dem Slogan "First class for kids" wirbt. Der Affe brennt bereits nach kurzem Kontakt mit einer Flamme vollständig. Nicht auszudenken, was passiert, wenn er in die Nähe einer Geburtstagskerze kommt. Bei Plüschtieren dürfen sich die Flammen nicht schneller als drei Zentimeter pro Sekunde ausbreiten. Bemerkenswert ist hier auch, dass der Affe ein Prüfsiegel des TÜV Süd trägt. "Prüfhäuser wie der TÜV Süd haben uns bestätigt, dass die Prüfzeichen keine Fälschungen sind", so Holger Brackemann, Chemiker und Bereichsleiter Untersuchungen bei der Stiftung Warentest.

Keine Lösung gegen leichte Entflammbarkeit sind Flammschutzmittel, denn einige werden verdächtigt, Krebs auszulösen. "Meine erste große Brio-Bahn", eine Holzeisenbahn des renommierten Herstellers Brio, enthält nicht nur PAK und zinnorganische Verbindungen. Der Tunnel ist zudem mit dem krebserregenden Flammschutzmittel TCEP belastet, einem Weichmacher, der als fruchtschädigend und möglicherweise krebserregend gilt. Die Metallknöpfe an den Rädern sind nickelhaltig. "Der Test raubt Eltern die Illusion, dass Holzspielzeug die bessere Alternative ist", sagte Hubertus Primus, Bereichsleiter Publikationen der Stiftung Warentest mit Verweis auf weitere schlechte Ergebnisse. So enthalten der Nachziehdrache von Eichhorn und das Trotto-Pferd von Selecta verschluckbare Kleinteile. Beide Produkte sind zudem mit Schadstoffen belastet.

Nur acht aller geprüften Produkte stellten sich als nicht belastet heraus. Davon sind sechs aus Plastik. Das ist überraschend, wirkt doch Plastikspielzeug auf viele Eltern verdächtiger als Holzwaren.

Plastik ist oft besser als sein Ruf

"Gerade Hartplastik enthält weniger Weichmacher und ist dadurch nicht so gefährlich", sagt Holger Brackemann. Der Little People Rettungshubschrauber von Fisher Price etwa ist unbedenklich. Die Figuren "Bob und Wendy" von Bob der Baumeister jedoch sind belastet.

Enttäuschend ist die bisherige Reaktion der Hersteller. Nur zwei nahmen ihre Produkte aus dem Handel. Der Dachverband der Verbraucherzentralen (vzbv) forderte angesichts der Ergebnisse, die im November-Heft von "Test" vollständig nachzulesen sind, einen Krisengipfel zur Spielzeugsicherheit. Die Bundesregierung kündigte an, sich auf EU-Ebene verstärkt für schärfere Richtlinien einsetzen zu wollen.