Gesundheit

Wieder Legionellen-Kranker auf der Intensivstation

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Foto: picture-alliance / gms / pa

Fast eine Woche nach den ersten Legionellen- Erkrankungen in Ulm und Neu-Ulm suchen die Experten immer noch nach der Infektionsquelle. Nun ist auch ein 54-jähriger Mann aus dem Landkreis Günzburg schwer erkrankt. Er liegt auf der Intensivstation und ist nicht ansprechbar. Die Behörden sagen: "Ruhe bewahren".

Es klingt wie ein schlechter Horrorfilm: Die Abluftwolke einer Kühlanlage zieht über die Städte Ulm und Neu- Ulm (Bayern) und hinterlässt hinter sich mehr als 50 mit Legionellen infizierte Einwohner. Vier Menschen sterben sogar an den Folgen einer Legionellen-Infektion. Noch steht nicht fest, ob es tatsächlich eine solch ominöse Wolke war, die Krankheit und Tod in die Städte an die Donau brachte. Die Behörden suchen noch immer fieberhaft nach der Infektionsquelle. Die Experten halten diese Variante aber für die wahrscheinlichste Möglichkeit. Die Angst vor dem Unbekannten ist währenddessen in Ulm und der bayrischen Nachbarstadt nicht zu spüren.

„Wir haben keine ängstlichen Rückfragen von unseren Bewohnern oder deren Angehörigen“, sagt etwa Robert Kiesinger, Heimleiter des Seniorenheimes St. Anna-Stift in Ulm. Auch das Wasser im Heim sei unbedenklich, da es von einer hauseigenen Anlage desinfiziert werde. „Panikmache ist ohnehin das falsche Rezept“, sagt der Sprecher des Landratsamtes des Alb-Donau-Kreises, Bernd Weltin. Die Hygiene- und Umweltmedizinerin beim Landesgesundheitsamt des Regierungspräsidiums Stuttgart, Doris Reicke, stimmt ihm zu: „Keine Panik. Das bringt auch gar nichts.“ Sie rät den Einwohnern, so weiterzumachen wie bisher.

Ohnehin gehen die Experten davon aus, dass der Höhepunkt bei den Legionellen-Infektionen bereits überschritten ist. Derzeit seien keine „echten, neuen Fälle“ aufgetreten, sagt Weltin. Die zuletzt gestiegenen Zahlen seien durch den Abgleich von in Untersuchung befindlichen Fällen zurückzuführen. Auch das Universitätsklinikum rechnet nicht mit weiter steigenden Zahlen. Derzeit werden 29 Patienten in der Klinik behandelt. „Wir haben aber keine kritischen Patienten“, sagt der Sprecher Jörg Portius.

Allerdings liegt noch ein schwer erkrankter Mann aus dem Landkreis Günzburg (Bayern) auf der dortigen Intensivstation. Nach Angaben des Leiters des Günzburger Gesundheitsamtes, Roland Schmid, ist er nicht ansprechbar. Es bestehe aber keine Lebensgefahr.Als Pendler nach Ulm sei der Mann den dortigen Fällen zuzurechnen. Spektakulär ist auch die Erkrankung eines Mannes aus dem Kreis Esslingen, der sich wohl beim Umsteigen am Ulmer Hauptbahnhof angesteckt hat – vielleicht durch die gerade vorüberziehende Abluftwolke.

Aber so seltsam es auch klingt: „Das ist nichts ganz einmaliges“, sagt Reick. Das südspanische Murcia erlebte die bisher weltweit größte Epidemie. Je nach Quelle infizierten sich dort im Juli 2001 zwischen 650 und 800 Menschen mit Legionellen, bis zu sechs Menschen starben. Laut Abschlussbericht war die Ursache ein schlecht gewarteter Kühlturm einer großen Klinik.

Und so untersuchen nun auch die Experten in Ulm und Neu-Ulm die Kühltürme von Betrieben. „Es kann aber auch sein, dass wir nichts mehr finden und die Erkrankungswelle einfach vorbei geht“, sagt Reick. Doch erste Ergebnisse liegen frühestens Ende der Woche vor. Bis dahin heißt es: Ruhe bewahren.

( dpa/cl )