Der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, der NAV-Virchow-Bund, geht rechtlich gegen das Internetportal www.vorsicht-operation.de vor, das Patienten vor Operationen eine zweite Meinung anbietet. Der Verband zeige die neun in Deutschland tätigen Ärzte bei den zuständigen Landesärztekammern an, teilte der NAV-Virchow-Bund mit. Auf der Seite bieten Mediziner für bis zu 600 Euro ein zweites Gutachten an, um mögliche Fehler zu vermeiden.

Der NAV-Virchow-Bund hat nach den Worten seines Vorsitzenden Dirk Heinrich „ernsthafte rechtliche Bedenken“, dass das Portal den Vorgaben der Berufs- und Gebührenordnung entspricht. Diagnose und Beratung, wie sie den Patienten dort über das Internet angeboten werden, seien nach dem Berufsrecht nicht zulässig. Die Kosten von bis zu 600 Euro seien zudem nicht mit der ärztlichen Gebührenordnung vereinbar.

Zwei Krankenkassen hatten bereits Interesse an dem Vorstoß des OP-Portals gezeigt. Die Deutsche Betriebskrankenkasse prüft nach Angaben einer Sprecherin eine Zusammenarbeit. Die Debeka will „voraussichtlich in einer Testphase“ die Kosten übernehmen, so ein Sprecher.

Die Techniker Krankenkasse verweist dagegen auf eigene Angebote. So biete sie Mitgliedern an, in einem Rückenzentrum ein zweites Gutachten einzuholen. Erste Schätzungen zeigten, dass 85 Prozent der Operationen überflüssig sind.

dpa