Kardiologie

Wie man einen Herzinfarkt überleben kann

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte ohne Scheu der Rettungsdienst 112 angerufen werden. Viele warten zu lange.

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte ohne Scheu der Rettungsdienst 112 angerufen werden. Viele warten eher auf den Hausarzt oder den ärztliche Notdienst, sagt Michael Wichert, der Sprecher der Herzstiftung. Dies sei aber „ein lebensgefährlicher Umweg. Selbst wenn der Hausarzt kommt, kann er nichts anderes tun, als die 112 anzurufen“, so der Vorsitzende der Stiftung, Professor Hans-Jürgen Becker.

Jedes Jahr sterben in Deutschland über 60.000 Menschen an einem Herzinfarkt, berichtete die Stiftung. Jeder vierte sterbe bevor er in die rettende Klinik komme. „Bei einem Herznotfall geht es um jede Minute. Ein Herzinfarkt kann jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen“, betonte der Direktor der Kardiologie am Frankfurter Universitätsklinikum, Professor Andreas Zeiher.

Je früher ein Patient aber in einer Klinik behandelt werde, desto mehr Herzmuskel – das heißt Pumpkraft des Herzens – könne erhalten werden, sagte der Oberarzt der Kardiologie am Uniklinikum, Joachim Ehrlich. Ehrlich der auch Notarzt beim Frankfurter Rettungsdienst ist, forderte dazu auf, bei infarkttypischen Beschwerden sofort die 112 anzurufen: „Ich verzeihe es jedem, der fehlalarmiert.“

Als typische Anzeichen für einen drohenden Herzinfarkt nannte er, schwere, länger anhaltende Schmerzen in Brustkorb, Armen und Schulterblättern. Außerdem müsse auf Atemnot, Übelkeit, Brechreiz und Angst geachtet werden. Nächtliches Erwachen mit Schmerzen im Brustkorb sei ein besonderes Alarmzeichen.

Die Deutsche Herzstiftung baut in ihrer Kampagne auf rund neun Quadratmeter große Plakate, von denen 3100 in 105 Städten aufgestellt werden sollen. Die Informationen über das richtige Verhalten bei einem Herznotfall werden auch über Fernsehspots bei drei Privatsendern sowie Infomaterial vermittelt.

"Rund um's Herz" lautete kürzlich auch das Thema des Medizin-Forums der Friede-Springer-Herzstiftung. Besonders Frauen seien sich der Gefahr gar nicht bewusst, sagte Verena Stangl von der Charité. Dabei sei ihre Sterberate höher als bei Männern. "Bei Magen-, Kiefer- oder Halsschmerzen denken die wenigsten an einen Infarkt", sagte sie über die Symptome bei Frauen. So kämen sie auch erst 15 bis 30 Minuten später im Krankenhaus an.

Doch manchmal hilft die beste Therapie nichts. Für einige Patienten bleibt nur die Transplantation. Oft greift Roland Hetzer, Herzchirurg am Deutschen Herzzentrum in Berlin, auf Kunstherzen zurück.