Deutscher Zukunftspreis

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Manchmal kündigt sich eine Krise an, und Arzt und Patient merken es nicht rechtzeitig, weil der Kardiologe schließlich nicht permanent mit Stethoskop und EKG am Patienten bereitsteht. Abhilfe schafft ein telemedizinisches System. Hans-Jürgen Wildau hat einen Herzschrittmacher erfunden, der automatisch medizinische Daten an den Arzt sendet.

An sich sind Herzschrittmacher und im Brustkorb implantierte Defibrillatoren eine ausgereifte Technik. Sie garantieren Menschen mit Herzrhythmusstörungen das Überleben. Aber die Lebensqualität und die Sicherheit vor Komplikationen könnten besser sein. Denn manchmal kündigt sich eine Krise an, und Arzt und Patient merken es nicht rechtzeitig, weil der Kardiologe schließlich nicht permanent mit Stethoskop und EKG am Patienten bereitsteht.

Abhilfe schafft ein telemedizinisches System, das Ingenieure des Berliner Medizintechnik-Unternehmens Biotronik um Hans-Jürgen Wildau entwickelt haben und das in die Endrunde zum Deutschen Zukunftspreis gekommen ist.

Der von Wildau und seinen Mitarbeitern entwickelte Herzschrittmacher enthält einen Minisender, der wichtige kardiologische Daten an ein spezielles Mobiltelefon schickt, das die Patienten in der Hosen- oder Jackentasche bei sich tragen. Dieses Mobiltelefon wählt sich in das normale Handynetz ein und überträgt die Daten an ein Internetportal. Das funktioniert weltweit – solange das Handy Empfang hat –, also auch, wenn der Patient auf Reisen ist. Die Daten kann nun der behandelnde Arzt, der über einen geschützten Zugang zu dem Internetportal verfügt, abrufen und sich jederzeit ein Bild über den Gesundheitszustand seines Patienten machen.

Das bringt für alle Beteiligten gleich mehrere Vorteile mit sich: Weil die Daten regelmäßig auf das Internetportal übertragen werden, kann der Arzt einen Trendverlauf über den gesundheitlichen Zustand seines Patienten einsehen. Daraus lassen sich wiederum zahlreiche Schlüsse ziehen, wie sich der Patient in Zukunft fühlen wird und ob eine kardiologische Krise droht. Damit gewinnt man Zeit – Reaktionszeit, um dem Patienten zu helfen, bevor sich ein Problem manifestiert.

Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher kommen normalerweise zwei bis vier Mal pro Jahr zur Untersuchung zum Arzt. Wenn sich der Gesundheitszustand zwischen den Arztbesuchen verschlechtert, kann es bis zur nächsten Routinekontrolle schon zu spät sein. Die neue Technik funktioniert also als eine Art Frühwarnsystem. Im Ernstfall kann der Arzt den Betroffenen sofort einbestellen. Und umgekehrt spart sich der Patient unnötige Routinebesuche bei seinem Arzt, wenn alles in Ordnung ist.

Der erste schlaue Herzschrittmacher dieser Art wurde bereits im Dezember 2000 einem Patienten implantiert. Seitdem wurde die Technik kontinuierlich weiterentwickelt. Heute haben Herzpatienten in allen großen medizinischen Zentren in Deutschland Zugang zu dieser telemedizinischen Technologie.

Zuverlässigkeit, Disziplin und ein langer Atem seien Voraussetzungen für den Erfolg in der Medizintechnik, sagt Wildau. Einen langen Atem braucht es aber auch im Umgang mit Behörden und Krankenkassen. Seit neun Jahren gibt es die Technologie bereits, die Abrechnung der Leistung ist aber immer noch ein Problem. Es gibt zwar Einzelverträge mit Krankenkassen, in denen die Kostenerstattung geregelt ist, aber es gibt keine grundsätzliche Abrechenbarkeit, weder für die bereitgestellte Hardware noch für die Dienstleistung.

Dabei hilft die Technik, Geld zu sparen und unnötiges Leid zu vermeiden, weil sich unnötige Untersuchungen erübrigen und mögliche Probleme so früh ankündigen, dass sie verhindert werden können.