Deutscher Zukunftspreis

Neue Pillen-Generation gegen Thrombose

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Ein neues Mittel gegen gefährliche Thrombosen haben Frank Misselwitz, Dagmar Kubitza und Elisabeth Perzborn vom Pharmakonzern Bayer HealthCare entwickelt. Das Medikament hat weniger Risiken und ist einfacher in der Anwendung. Außerdem kann der Wirkstoff als Tablette genommen werden – eine Spritze ist nicht nötig.

Ein neues Mittel gegen gefährliche Thrombosen haben Frank Misselwitz, Dagmar Kubitza und Elisabeth Perzborn vom Pharmakonzern Bayer HealthCare bis zur Markteinführung entwickelt. Der Jury des Deutschen Zukunftspreises war das eine Nominierung wert, denn auf diesem Gebiet der Antikoagulanzien hatte es lange Zeit keine neuen Medikamente gegeben. Mit den zugelassenen waren Ärzte und Patienten unzufrieden – zu viele Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und eine zu komplizierte Anwendung.

Das Medikament Xarelto mit dem Wirkstoff Rivaroxaban, befand die Jury, sei zugleich gut verträglich und zuverlässig in der Wirkung. Zudem kann Xarelto als Tablette genommen werden, eine Spritze ist nicht nötig, und die Kontrolle von Wirkung und Nebenwirkungen ist einfach.

Thrombosen sind teilweise lebensbedrohliche Gefäßerkrankungen, bei denen sich in den Adern, meist Venen, Blutgerinnsel bilden und diese verstopfen. Das passiert, wenn der Patient unter einer Blutgerinnungsstörung leidet oder infolge von Bettlägerigkeit lange bewegungsunfähig ist. Auch Diabetes, Rauchen, Gefäßverletzungen, bestimmte Medikamente und große Operationen fördern Blutgerinnsel. Jahr für Jahr sind Millionen von Menschen betroffen – oftmals mit tödlichem Ausgang. Denn Thrombosen können Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. In der westlichen Welt sterben mehr als doppelt so viele Menschen an Thrombosen als an Brustkrebs, Prostatakrebs, Aids und Verkehrsunfällen zusammen.

Ein weitverbreitetes Medikament gegen Thrombose ist der Blutgerinnungshemmer Marcumar, landläufig als Blutverdünner bekannt. Viele, vor allem ältere Menschen, die dieses Medikament schlucken müssen, haben Probleme damit, denn es hat viele Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und Nahrungsmitteln. Riskant ist Marcumar auch wegen der Hirnblutungen, die es auslösen kann, vor allem wenn zugleich der Blutdruck hoch ist. Ein anderes Antikoagulans ist Heparin, das injiziert wird.

Rivaroxaban wirkt mit einem neuen Mechanismus. Er greift an einem zentralen Punkt in den Gerinnungsprozess ein, am „Faktor Xa“. Jedes Molekül Faktor Xa bildet 1000 Moleküle Thrombin – das Enzym, das Blutgerinnsel hervorruft. Rivaroxaban reguliert den Faktor Xa, ohne ihn ganz abzuschalten. Blutgerinnung ist noch möglich, das ist wichtig bei Verletzungen. Aber es gibt keine überschießende Gerinnselbildung mehr. Mit Rivaroxaban ist weder eine Injektion nötig noch eine regelmäßige Kontrolle des Blutbilds. Zudem entfällt gegenüber Marcumar eine komplizierte Anpassung der Dosis an Alter, Gewicht und Geschlecht. Bei Marcumar ist das notwendig, weil leicht über- oder unterdosiert wird. Dann droht eine innere Blutung, oder das Mittel wird unwirksam.

Xarelto wurde zur Vorbeugung von Thrombosen nach der Implantation von Hüft- und Kniegelenken zugelassen. Bayer prüft jetzt weitere Indikationen.