In Deutschland leiden rund sieben Millionen Menschen an Diabetes Typ II. Gewöhnlich erkranken ältere Menschen, deshalb wird die Zuckererkrankung auch Altersdiabetes genannt. Aufgrund von Übergewicht und Bewegungsmangel sind aber zunehmend auch junge Menschen betroffen.
Serotonin bindet sich den Erkenntnissen zufolge in der Bauchspeicheldrüse an Signalproteine. „Unter Normalbedingungen kontrolliert Serotonin so die Ausschüttung des Insulins“, erklärte Diego Walther, einer der Autoren der Studie. Sei der Serotoninspiegel aber zu niedrig, werde nach einer Mahlzeit zu wenig Insulin ausgeschüttet, so dass der Blutzuckerspiegel in ungesunde Höhen steige, erklärte Walther.
Werde der Serotoninspiegel dagegen erhöht, könne auch mehr Insulin ausgeschüttet werden, sagte Studienautor Nils Paulmann. Dies könne als Ansatz für eine Therapie bei Altersdiabetes genutzt werden, indem man beispielsweise Serotonin oder ein Vorprodukt in Nahrungsergänzungsmitteln gebe.
Dies sei allerdings noch sehr hypothetisch, betonte der Forscher. Auch müsse die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen erst noch in klinischen Studien geprüft werden. Die an genveränderten Mäusen gewonnenen Ergebnisse sind in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift „PloS Biology“ publiziert.
Der größte Vorteil dabei wäre, dass Serotonin nicht einfach zu einer unspezifischen Ausschüttung von Insulin führt. Stattdessen stärkt es die Fähigkeit des Körpers, Insulin dann auszuschütten, wenn es benötigt wird, erklärte Paulmann. Anders als die direkte Gabe von Insulin müsste Serotonin deswegen nicht direkt zu Mahlzeiten eingenommen werden. Das Studienteam will nun vermehrt an Therapieansätzen forschen.
Zwar handelt es sich bei dem insulinregelnden Serotonin in der Bauchspeicheldrüse um das gleiche Hormon wie den als Glückshormon im Gehirn tätigen Botenstoff. Es entstamme aber einem vollkommen anderen, getrennten Kreislauf, betonte Paulmann. Serotonin könne die Blut-Hirn-Schranke nämlich nicht passieren. Die Produktion des Serotonins im Blut werde zudem von einem anderen Enzym geregelt als die Ausschüttung im Gehirn.
AP/LF





