Gesundheit

Schaufenster-Krankheit plagt Millionen Deutsche

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Bettina Levecke

Foto: dpa-tmn / dpa

Es sind nicht die Schaufenster, wegen der manche Menschen in der Stadt stehen bleiben. Es ist vielmehr der Schmerz in ihren Beinen. Nach Angaben der Deutschen Gefäßliga leiden fünf Millionen Deutsche unter der sogenannten Schaufenster-Krankheit. Rauchstopp und gesunde Lebensweise können helfen.

Es sind nicht die Schaufenster, wegen der manche Menschen in der Stadt stehen bleiben. Es ist vielmehr der Schmerz in ihren Beinen. Nach Angaben der Deutschen Gefäßliga leiden fünf Millionen Deutsche unter der sogenannten Schaufensterkrankheit. Der Begriff steht für periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) - eine Durchblutungsstörung der Becken-Bein-Arterien, die unbehandelt zum Tod führen kann.

Viele Betroffene vermuten hinter den Schmerzen in den Beinen nichts Böses. Doch das kann schlimme Folgen haben, warnt Curt Diehm, Gefäßspezialist und Vorsitzender der Gefäßliga. "70 Prozent der Patienten sterben an einem Herzinfarkt, zehn Prozent an einem Schlaganfall." Die PAVK verkürze das Leben um zehn Jahre. Schuld sind Verengungen der Becken- und Beinarterien, die zu starken Durchblutungsstörungen führen.

"Die Krankheit beginnt meist schleichend", sagt Malte Schröder, Kardiologe an der Universitätsklinik Charité in Berlin. "Zuerst entstehen die Schmerzen erst nach langen Gehwegen." Dann würden die schmerzfreien Strecken immer kürzer. Schließlich sind die Schmerzen so stark, dass die Betroffenen stehen bleiben müssen. "Im Stehen erholt sich der Muskel und wird wieder mit Sauerstoff versorgt", sagt Diehm. "Die Betroffenen können dann weiterlaufen, bis der Schmerz erneut auftritt."

Zu diesem Zeitpunkt sind die Arterien oft schon zu 50 Prozent verschlossen. Doch wie entsteht diese Durchblutungsstörung? "Die Verengung der Arterien ist zum einen eine Folge des Alters", sagt Schröder. Bei neun von zehn Patienten führe die Arteriosklerose, also die Gefäßverkalkung, zu den gefährlichen Veränderungen.

Nach Angaben der Gefäßliga ist etwa jeder Zehnte ab 55 Jahren betroffen. Bei den Über-65-Jährigen sind es 20 Prozent, ab 80 Jahren sogar mehr als 30 Prozent. Rauchen erhöht das Risiko für die Schaufensterkrankheit extrem. "Auch Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Bewegungsmangel sind Ursachen für die Durchblutungsstörungen", erklärt Walter Haupt, Neurologe an der Uniklinik Köln. Betroffene sollten Schmerzen sehr ernst nehmen und sich unverzüglich behandeln lassen.

Die Erkrankung in den Beinarterien kann laut Heribert Schunkert als Spiegel für den ganzen Körper gesehen werden. "Störungen in den Beinen sind oft ein Warnsignal dafür, dass auch die Versorgung der Organe leidet", sagt der Kardiologe am Universitätsklinikum Lübeck. Denn nicht nur in den Beinen haben sich die Arterien verengt. "Viele Menschen mit PAVK leiden gleichzeitig und unbemerkt an einer koronaren Herzkrankheit oder an Durchblutungsstörungen im Gehirn." Auch und gerade deshalb sei die frühzeitige Diagnose und Therapie so wichtig.

Die Untersuchung auf eine PAVK ist relativ einfach. "Ärzte können mit einer Ultraschalluntersuchung eine Durchblutungsstörung in den Bein- und Beckenarterien feststellen", sagt Diehm. Bei dieser sogenannten ABI-Messung werden dem Patienten Blutdruckmanschetten am Oberarm und über den Fußarterien angelegt. Per Ultraschall wird anschließend der systolische Blutdruck von Oberarm und Fuß verglichen. Ein ABI-Wert unter 0,9 beweist Schunkert zufolge, dass eine Schaufensterkrankheit vorliegt.

Dann sollte der nächste Schritt zu einem Gefäßspezialisten, einem Angiologen, führen. Komplett geheilt werden kann die PAVK nicht. "Man kann sie aber sehr gut in den Griff bekommen", sagt Schröder.

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