Ernährung

Jedes zehnte Kind im Südwesten ist übergewichtig

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Die Kinder in Baden-Württemberg haben ein Moppel-Problem. Besonders anfällig für Übergewicht ist der Nachwuchs aus Familien mit Migrationshintergrund.

Jeder zehnte Sechsjährige in Baden-Württemberg ist übergewichtig. Dabei zeige sich bei Kindern mit Migrationshintergrund bei den Einschulungsuntersuchungen „eine deutlich höhere Häufigkeit von Übergewicht“, berichtete Ernährungsminister Rudolf Köberle (CDU) auf eine Landtagsanfrage von CDU-Abgeordneten. Ausländische Jungen und Mädchen seien mindestens doppelt so häufig übergewichtig und fettleibig wie ihre deutschen Altersgenossen. Köberle verwies auf eine Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit in Deutschland, wonach Kinder mit Migrationshintergrund und mit einem niedrigen Sozialstatus eine höhere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht haben.

Nach den Untersuchungen steigen mit Beginn der Schulzeit Übergewicht und Fettleibigkeit; 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind zu schwer. Sechs Prozent aller Kinder sind sogar fettleibig. Im Grundschulalter nimmt der Anteil übergewichtiger Kinder am deutlichsten zu. „Dies lässt darauf schließen, dass sich in dieser Zeit eine Kombination mehrerer Risikofaktoren – weniger Bewegung mit Schuleintritt, falsche Ernährung – besonders nachteilig auswirkt“, erklärte der Minister.

Deshalb will die Landesregierung nach Angaben von Köberle die Schulverpflegung forcieren und optimieren. Zwar sei die Menge an Schulmilch in Baden-Württemberg von 1999 bis 2009 von 2,92 Millionen Kilogramm auf 692 000 Kilogramm gesunken, seit diesem Jahr steige jedoch der Absatz an Schulmilch wieder. Auch die Ergebnisse des EU-Schulfruchtprogramms bewertete der Minister positiv: Mehr als 300 Schulen und 200 Kindergärten partizipieren derzeit daran. Dadurch werden seit Februar dieses Jahres 80 000 Kinder mindestens einmal pro Woche mit Obst und Gemüse versorgt.

Außerdem wendet sich die Landesinitiative Blickpunkt Ernährung mit ihrem Getränkeschwerpunkt gezielt an Jugendliche. Nach Angaben des Ministers ergab eine Untersuchung, dass fast ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler den ganzen Vormittag in der Schule nichts oder nur selten trinkt. Mehr als jeder Achte der befragten 8- bis

22-Jährigen trinkt morgens zum Frühstück nie oder nur selten etwas. 93,5 Prozent der Grundschüler trinken regelmäßig in den Pausen; in den Real-, Haupt- und Berufsschulen sind es dagegen nur 74 Prozent, in den Gymnasien sogar nur 65 Prozent der Schüler.

Die Gesundheitsstrategie setze verstärkt auf Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung, die als gleichwertige Säulen des Gesundheitswesens neben Behandlung, Rehabilitation und Pflege etabliert werden sollen, berichtete Köberle. Dazu soll die Gesundheit in allen Lebensphasen und Lebenswelten gefördert werden, wobei nachhaltige Programme in den Schulen ansetzen.