Neurologie

Gene bestimmen den Kettenraucher

Ob jemand anfängt zu rauchen, bestimmt das soziale Umfeld. So weit – so einleuchtend. Doch warum wird nicht jeder Kettenraucher? Warum ist die Sucht unterschiedlich ausgeprägt? Bislang machte man die Leber dafür verantwortlich. Ein Versuch an 41.000 Menschen weist in eine andere Richtung.

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Manche Kettenraucher blicken noch mit 90 Lebensjahren hohnlächelnd in Fernsehkameras und suggerieren, dass ihnen der Konsum von Zigaretten nicht geschadet habe. Auf der anderen Seite rafft der Lungenkrebs bisweilen gar Nichtraucher in vergleichsweise jungen Jahren dahin. Diese auf den ersten Blick grotesken Einzelfälle ändern gleichwohl nichts an dem statistischen Gesamtbild, wonach die Experten neun von zehn Lungenkrebsfällen auf die klare Ursache „Rauchen“ zurückführen.

Die Ausnahmen von der Regel lassen sich dabei mit dem Wirken bestimmter Gene erklären. Wissenschaftler haben im Laufe der Jahre mehrere Genveränderungen identifizieren können, die bei einem Menschen zu einem erhöhten Risiko führen, an Lungenkrebs zu erkranken. Eine große Bedeutung haben hier Veränderungen auf dem Chromosom 15.

Jetzt haben Forscher in der Fachzeitschrift „Nature Genetics“ gleich drei Studien veröffentlicht, mit denen sie die Zusammenhänge zwischen der genetischen Disposition und dem Rauchen weiter erhellen. Ein internationales Forscherteam hat unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Oxford nachweisen können, dass Gene ebenfalls eine wichtige Rolle dabei spielen, ob jemand der Nikotinsucht verfällt, oder nicht.

Die Forscher hatten das Erbgut von insgesamt 140?000 Rauchern und Nichtrauchern untersucht und herausgefunden, dass Menschen mit bestimmten Mutationen auf den Chromosomen 8 und 19 dem Tabakkonsum sehr viel eher verfallen als andere. Zugleich rauchen diese Betroffenen auch deutlich mehr Zigaretten pro Tag als Raucher ohne diese genetische Anomalie. Es kann also nicht verwundern, dass diese besonders süchtigen und besonders viel konsumierenden Raucher auch häufiger von Lungenkrebs betroffen sind.

Doch die Botschaft für Träger dieser Mutationen ist tatsächlich noch schlimmer: Ihr Risiko für eine Krebserkrankung ist sogar im Vergleich mit anderen Rauchern erhöht, die ebenso viele Zigaretten konsumieren wie sie selber. Perfiderweise gibt es also genetische Veränderungen, die nicht nur dafür sorgen, dass die Lust auf das Rauchen gesteigert wird, sondern obendrein auch noch die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Krebserkrankung.

Rauchen sei zweifelsohne für alle schlecht, doch für einige eben noch deutlich schlechter, fasst ein Wissenschaftler die Quintessenz der jüngsten Studien zusammen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn man Menschen aus dieser Hochrisikogruppe mit guten Argumenten vom Rauchen abbringen könnte. „Die Entdeckungen verbessern unsere Möglichkeit, gefährdete Menschen zu erkennen und ihnen überzeugende Argumente zu liefern, mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt Kari Stefansson, Geschäftsführer der isländischen Firma deCODE, die eine der drei Studien geleitet hat. Mit den Rauchen aufzuhören, auch das ist ein Ergebnis der Studien, fällt indes jenen Rauchern einfacher, die eine bestimmte Mutation auf dem Chromosom 9 besitzen.

Im Rahmen einer weiteren Arbeit, von denen US-Forscher im Fachjournal „Science Translational Medicine“ berichten, wurde ein Biomarker entwickelt, mit dem sich Lungenkrebs bereits in einem sehr frühen Stadium erkennen lässt. Mit dem Krebsmittel Myo-Inositol sei die Krankheit dann noch heilbar.