Im August beginnt der Sommerhimmel zögerlich dem Herbsthimmel zu weichen. Das Sommerdreieck, das sich aus den hellen Sternen Deneb (im Schwan), Wega (in der Leier) und Altair (im Adler) zusammensetzt, wendet sich schon in der ersten Nachthälfte nach Westen, um im Osten der Kassiopeia (volkstümlich das Himmels-W) und dem Herbstviereck Platz zu machen. Der Große Wagen neigt sich immer mehr dem Nordwesthorizont zu, den er im Winter „entlangrollen“ wird.

Leider setzt die Lichterflut Berlins der Betrachtung des Sternenhimmels enge Grenzen. Wer mehr sehen will, sollte eine Tour in das Havelland unternehmen, wo man ungleich viel mehr Sterne zählen kann – je nach Mondschein zwischen 2000 und 3500. Vor allem aber kann man hier deutlich das wahrnehmen, was laut neuesten Studien bereits ein Drittel der Weltbevölkerung nicht mehr zu sehen bekommt: die Milchstraße. Sie spannt ihr diffus schimmerndes Band vom Nordhorizont hoch über den Osten bis zum Südhorizont. Wer sie sehen will, sollte vor allem eine mondlose Nacht wählen.

Schwer ein scharfes Bild zu erhalten

Was bietet uns der Augustnacht­himmel im Einzelnen? Jupiter hat sich endgültig vom Abendhimmel verabschiedet – er ist von der Sonne eingeholt worden und wird erst im Februar nächsten Jahres wieder am Morgenhimmel auftauchen. Saturn und Mars ergeht es nicht viel besser: die letzten Sichtbarkeitschancen bestehen am Monatsende tief im Südwesten. Leider erreicht keiner der Planeten eine größere Höhe als 15° über dem Horizont.

Wer also mit dem Fernrohr einen Blick auf die Planeten erhaschen will, sollte damit rechnen, dass die aufsteigende warme Luft in Horizontnähe den Genuss erheblich trübt: das Flimmern der Atmosphäre macht es schwer, ein scharfes Bild zu erhalten. Beide Planeten bilden noch auffällige Objekte, doch die Frist, die sie uns gewähren, ist nur noch kurz.

Außer den Planeten bietet der Augusthimmel noch drei besondere „Hingucker“ – zumindest für alle, die ein gutes Fernrohr auf dem Balkon stehen haben. Das Erste ist der Kugelsternhaufen M 13 im Sternbild Herkules – eine kugelförmige Ansammlung von etwa 300.000 Sternen in 25.100 Lichtjahren Entfernung. Diese Objekt ist im Feldstecher als matter Nebelfleck zu sehen; aber erst ab zehn Zentimeter Objektivöffnung sind erste Einzelsterne erkennbar.

Gut für Liebespaare

Der zweite Hingucker bedarf ebenfalls einer besseren Ausrüstung: es ist der Ringnebel M 57 in der Leier, der in einem Fernrohr von zehn Zentimeter Öffnung als winziger, matter Rauchring erscheint. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Rauchring um den Überrest eines 2300 Lichtjahre entfernten Sternes, der seine Gashülle abgestoßen hat. Die dritte Attraktion ist der hübsche Doppelstern Albireo im Schwan: mit dem bloßen Augen nur als ein Stern sichtbar, kann ein Teleskop ihn in zwei Sterne trennen, die zudem merklich unterschiedliche Farben aufweisen: orange und blau.

Der Mond zeigt sich in der ersten Augustwoche als schmale Neumondsichel im Westen und erreicht am 10.08. sein erstes Viertel. Bis zum 15. lässt er sich noch gut mit dem Fernrohr beobachten, da bis zu diesem Zeitpunkt das Sonnenlicht schöne Schattenkonturen in seinen Kratern erzeugt. Am 18. zeigt er sich als Vollmond, doch so frontal beleuchtet sind kaum noch Einzelheiten auf seiner Oberfläche erkennbar. Diese Nächte sind gut für Liebespaare, aber weniger für Astronomen (außer natürlich, wenn sie sich verliebt haben). Das letzte Viertel wird am 25.08. sichtbar.

Perseiden 2.jpg

Für Sternschnuppenbeobachter bietet der August den schönen Sternschnuppenschwarm der Perseiden. Volkstümlich heißen sie auch die Laurentiustränen, da die Häufigkeit der Sternschnuppen am 10. August, dem Namenstag des Hl. Laurentius beginnt. Das Maximum wird am 12. August erwartet; man rechnet mit bis zu 140 Sternschnuppen pro Stunde. Da die Perseiden in der Vergangenheit immer wieder mit Überraschungen aufwarteten (helle Objekte), dürfte es auch dieses Jahr wieder spannend werden.

Lange Nacht der Astronomie

Freilich ist auch hier zu bedenken, dass das helle Stadtlicht Berlins viele der schwachen Objekte „schluckt“ und man in den vollen Genuss dieses Himmelsschauspiels nur in der Dunkelheit der Mark Brandenburg kommen wird. Der Name dieses Sternschnuppenstromes rührt von dem Sternbild Perseus her, das den sogenannten Radianten (den scheinbaren Herkunftsort) der Sternschnuppen bildet. Da Perseus erst am Morgenhimmel hoch im Süden steht (02:00–03:00 Uhr), sollten die „Fans“ diese Beobachtungsstunden bevorzugen.

Alle Astronomieinteressierten sollten sich noch einen weiteren Termin im August vormerken: Am 13.08. findet zwischen 17:00 und 00:00 Uhr die 3. Lange Nacht der Astronomie statt. Treffpunkt ist diesmal der Park am Gleisdreieck. Zahlreiche Amateure stellen hier ihre Teleskope auf und bieten jedem Passanten die Möglichkeit, je nach Tageszeit die Sonne, den Mond, Planeten und Fixsternobjekte zu beobachten, zu fachsimpeln und Informationen auszutauschen.

An den Infoständen erhalten die Besucher einen Überblick über die Tätigkeiten der verschiedenen Sternwarten, Planetarien und astronomischen Vereine Berlins. Kindern (und Erwachsenen) wird ein spannendes Randprogramm geboten.

Da die Veranstaltung witterungsabhängig ist, kann es zu Einschränkungen im Veranstaltungsangebot kommen. Informationen hierüber sind im Internet zeitnah unter der Adresse www.langenachtderastronomie.de erhältlich.

Dr. Felix Lühning ist Direktor der Archenhold-Sternwarte im Treptower Park.