Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die Amerikaner Robert Lefkowitz und Brian Kobilka. Das gab die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm bekannt. Sie erhalten den Preis für die Entdeckung von Strukturen in der Zellwand, die wichtige Signale von außen in die Zelle leiten.

Lefkowitz forscht am Howard Hughes Medical Institute und an der Duke University in Durham. Koblika ist Professor an der Universität Stanford in Kalifornien.

Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit umgerechnet 930.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die Nobelstiftung hatte den Betrag in diesem Jahr um 20 Prozent vermindert, da ihr Kapital im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise geschrumpft war.

Begründung für die Auszeichnung

Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften erklärte am Mittwoch in Stockholm, die beiden Preisträger hätten bahnbrechende Entdeckungen gemacht und die Arbeitsweise von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren enthüllt. Etwa die Hälfte aller Medikamente richten sich an diese Rezeptoren. Ihre Erforschung unterstützt daher die Entwicklung besserer Medikamente.

Zum Hintergrund der Auszeichnung erklärte das Nobelkomitee, lange Zeit sei unklar gewesen, wie Zellen ihre Umwelt wahrnehmen könnten. Wissenschaftler wussten, dass Hormone wie Adrenalin starke Auswirkungen auf den Körper haben: Sie erhöhen den Blutdruck und lassen das Herz schneller schlagen. Vermutet wurde, dass die Zelloberfläche mit einer Art Empfänger für Hormone ausgestattet ist. Woraus diese Rezeptoren allerdings bestehen und wie sie arbeiten, blieb über weite Teile des 20. Jahrhunderts unklar.

Entdeckung des ß-Adrenozeptors

Das Nobelpreiskomitee erklärte am Mittwoch, Lefkowitz habe 1968 Radioaktivität eingesetzt, um die Zellrezeptoren aufzuspüren. Er entdeckte tatsächlich mehrere Rezeptoren, darunter den für Adrenalin, den ß-Adrenozeptor. Gemeinsam mit seinem Team konnte Lefkowitz den Rezeptor extrahieren und gelangte zu einem grundlegenden Verständnis seiner Funktionsweise.

Der nächste wichtige Schritt erfolgte nach Angaben des Nobelkomitees in den 80er-Jahren. Der neu zum Team gestoßene Koblika isolierte das Gen des ß-Adrenozeptors. Bei der Analyse entdeckten die Forscher, dass der Rezeptor dem ähnelt, der im Auge Licht empfängt. Sie kamen zu dem Schluss, dass es eine ganze Familie von Rezeptoren gibt, die gleich aussehen und arbeiten. Diese Familie wird heute als G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bezeichnet.

Im vergangenen Jahr konnte sich der israelische Forscher Dan Shechtman mit seiner Entdeckung der sogenannten Quasikristalle den Preis sichern. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des Nobelpreises für Literatur und am Freitag der Friedensnobelpreis. Die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften wird am 15. Oktober bekannt gegeben. Die Verleihung findet traditionell am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

dpa/dapd/sei