Theologie

Qumran-Rollen werden ins Internet gestellt

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Ulrich W. Sahm

Foto: dpa / DPA

Nasa-Technik hilft bei der Erforschung der Qumran-Schriftrollen in Israel: Die Dokumente sollen digitalisiert, ins Internet gestellt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das ist auch bitter nötig: Bisher gibt es weder Erfahrung noch Garantie, dass die Originale richtig konserviert werden.

Die US-Weltraumbehörde Nasa zieht es in neue Gefilde - nicht zwischen den Sternen, sondern ganz irdisch. Ein neues Projekt stellte die israelische Antikenbehörde nun im Jerusalemer Israel Museum vor. Nasa-Technik soll bei der Erforschung der 2.000 Jahre alten Qumran-Schriftrollen helfen. Die geheimnisumwitterten Dokumente hatte 1947 zufällig ein arabischer Hirte in Höhlen bei Qumran entdeckt. Insgesamt 15.000 Schriftstücke wurden dort gefunden; teils komplette hebräische Abschriften von Büchern der Bibel bis hin zu Millimeter kleinen Schnipseln aus Papyrus oder Pergament.

Die sogenannten Tote-Meer-Rollen sind einer der größten Kulturschätze der Menschheit – aber bislang wegen ihrer extremen Lichtempfindlichkeit kaum zugänglich. So gibt es zwar seit 2001 eine Gesamtveröffentlichung aller Fragmente in 38 Bänden. Da die Forscher aber nicht zu allen Originalen Zugang hatten, mussten sie häufig auf veraltetes Material wie Schwarz-Weiß-Fotografien zurückgreifen.

Nach Jahrzehnten der Forschung war damit zwar zumindest Verschwörungstheorien ein Ende gesetzt worden, wonach der Vatikan und Israel angeblich versuchten, die historischen Texte zu zensieren oder gar zu unterschlagen, da sie vermeintlich brisante Informationen über die Entstehung des Christentums wie des Judentums enthielten. Eine heutigen Anforderungen genügende Forschungsgrundlage war freilich noch nicht gelegt.

Das soll sich nun ändern. Ziel des Forschungsprojekts ist, die Qumranrollen zu digitalisieren, ins Internet zu stellen und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei soll Weltraumtechnologie der Nasa helfen.

Mit einem Budget von drei Millionen Dollar sollen Wissenschaftler über mehrere Jahre mit einer Spezialkamera von jedem Dokument spektrale Aufnahmen machen. Jedes Objekt wird 35 Mal im Infrarotfrequenzbereich zwischen 600 und 1.000 Nanometern fotografiert. „So können wir erkennen, was Tinte ist, wo das eigentliche Pergament vorhanden ist und was Verschmutzung oder Schimmel ist. Wir können sogar den Feuchtigkeitsgehalt der Materialien genau bestimmen“, erläutert der ehemalige Nasa-Mitarbeiter Greg Berman.

Diese Erkenntnisse seien etwa für die Konservierung der Rollen wichtig. Bisher gibt es weder Erfahrung noch Garantie, dass die Originaldokumente richtig konserviert werden und erhalten bleiben, nachdem sie aus den Höhlen am Toten Meer in fensterlose Labors mit geregelter Temperatur und Luftfeuchtigkeit gebracht worden sind.

Die Forscher versprechen sich viel von ihrem Vorhaben: Nach Angaben der Antikenbehörde haben schon jetzt die unterschiedlichen Methoden, die Texte abzulichten, Buchstaben wieder zum Vorschein gebracht, die zuvor nicht ermittelt werden konnten.