Bibelkunde

Dem Geheimnis der Qumranrollen auf der Spur

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Die über 2000 Jahre alte Qumranschrift wurde vor 60 Jahren in einer Höhle am Toten Meer entdeckt: Neben Urtexten der Bibel enthalten die Rollen jedoch Schriften, die von einer unbekannten Sekte stammen könnten. Berliner Physiker wollen diese Frage nun mit Röntgenanalysen klären.

Bis heute ist aber nicht geklärt, wo die Qumranschriftrollen hergestellt worden sind. Die Beantwortung dieser Frage wäre wichtig, um zu klären, ob die Sekte der Essener, der die Texte zugeschrieben werden, mit anderen religiösen Gemeinschaften im Austausch stand.

Berliner Physiker wollen dies mithilfe von Röntgenuntersuchungen klären. Dazu wurden die wertvollen Fragmente in speziell klimatisierten Koffern von Jerusalem nach Berlin gebracht.


„Meine Methode ist eine Weiterentwicklung der Röntgenfluoreszenzanalyse. Das Neue ist, dass wir in die Tiefen eines Kunstwerkes vordringen können. Wir setzen uns sozusagen unter die Oberfläche des Objektes. Mikrometer für Mikrometer steigen wir hinein in das Objekt und können so exakt Aufschluss darüber geben, in welcher Tiefe des zu untersuchenden Gegenstandes sich in welcher Konzentration die verschiedenen Elemente wie etwa Kupfer, Eisen oder Chlor befinden.

Mit der herkömmlichen Röntgenfluoreszenzanalyse konnte man diese tiefenaufgelösten Informationen über die Verteilung der Elemente nicht bekommen“, erklärt die Projektleiterin Birgit Kanngießer von der TU Berlin. Die Messungen werden am Berliner Synchrotron „Bessy“ durchgeführt.

Um zu klären, wo das Pergament der Rollen produziert worden ist, könnte ein Glücksumstand helfen. Das Wasser in der Nähe des Toten Meeres hat ein spezifisches, hohes Chlor-zu-Brom-Verhältnis. In Regionen weiter vom Toten Meer entfernt ist das Verhältnis ein anderes. Wenn sich dieses spezifische Verhältnis in den Fragmenten wieder findet, ließe sich folgern, dass das Pergament in der Nähe des Toten Meeres hergestellt wurde.

Ganz in der Nähe der Höhlen mit den Schriftrollen hatten Archäologen die Reste der Siedlung Qumran, mit einem Gemeinschaftswohnhaus und ungewöhnlich vielen Wasserbecken entdeckt. Sie wird den Essenern zugeschrieben, einer asketischen jüdischen Glaubensgemeinschaft, zu der auch Johannes der Täufer gehört haben soll.

Im Neuen Testament ist nur ein einziges Mal von den Essenern die Rede, sie heißen dort die „Kinder des Lichts“. Von den römischen Geschichtsschreibern Flavius Josephus und Plinius ist übermittelt, dass sich die Essener um einen Meister scharten, den sie „Wahren Lehrer“ nannten, sich gegen die fleischliche Lust sperrten und ihren Besitz der Gemeinschaft überlassen mussten.

( nlo )